Karibik 2018

 

Fast alle Fotos können per Mouseclick vergrößert werden!

 

 

Braunschweig, 30. Dezember 2017

Das Jahr 2017 neigt sich bei ungemütlichem Wetter dem Ende zu. Aber in einer zuversichtlichen Stimmung. 2017 war Zeit für Abschied und für Neubeginn. Wir haben beide Gefühlslagen intensiv durchlebt, genau in dieser Reihenfolge. Das Filter-Café macht bis Ostern 2018 Winterpause. Seit September gestalten wir Stück für Stück die nächste Reise, diesmal auf karibische Inseln. Kampf mit den Naturgewalten der Hurrikans, Lebensfreude, Emanzipation vom kolonialen Erbe, Genuss einer anderen Küche und karibischen Rums. Freude auf Salzwasser, Wellen, Schnorcheln, Schwimmen, Strandspaziergänge, Reste tropischen Regenwalds. Mit dem Erhalt der amerikanischen ESTA Einreisegenehmigung haben wir dieser Tage die Vorbereitungen, Buchungen abgeschlossen. Jetzt liegen noch einige entspannte Tage bis zum Abflug vor uns, geprägt von letzten Vorbereitungen und steigender Vorfreude.  

San Juan, Puerto Rico, Sonnabend 20. Januar 2018

Schöner 10 Stunden Flug, gutes Essen und Trinken, freundliches Condor Personal, vier Stunden geschlafen. Wir sind hier fünf Stunden hinter Deutschland zurück. Angenehme 27 Grad! Puerto Rico hat die gleichen Einreiseformalitäten wie die USA, aber anders als befürchtet waren die Formalitäten total entspannt. Uns empfing durchgehend freundliches Personal. Das Hotel am Flughafen ist lieblos dekoriert, schon etwas abgenutzt, zu teuer für 230 US $. Und dann auch noch Frühstück von Plastiktellern, aus Plastiktassen, mit Plastikbesteck. Wir machen erst einmal einen Spaziergang an den Strand gleich nebenan. Gemütliche Abendstimmung, die letzten Strandgäste packen zusammen, kurz nach 18.00 Uhr geht die Sonne unter und wir suchen uns ein Restaurant. Vegetarisches Abendessen beim Mexikaner mit Magna Bier, einem Lager aus Puerto Rico, dazu. Von den Folgen des Hurrikans Irma spüren wir in San Juan nichts mehr.   

Tortola, British Virgin Islands, 21. Januar 2018

Wir fliegen 11.00 Uhr von Puerto Rico nach Tortola, 25 Minuten Flugzeit in einer 30 Personen Propellermaschine. Aber nur 5 Passagiere. Freie Platzwahl, wir sitzen bequem am Notausgang. Kein Problem mit leichtem Übergewicht, alles easy. 

Ein erster Spaziergang an karibischen Stränden, hier an der Isla Verde Beach auf Puerto Rico.

Der Empfang auf Tortola ist im Vergleich zu Puerto Rico recht unfreundlich. Eine ganz andere Mentalität. Statt Latinoprägung jetzt doch eher britische Prägung. Penible Formalitäten. Wir fahren mit dem Taxi fahren wir um die Ecke zu Speedy's Schnellboot nach Virgin Gorda. Der Kapitän schläft noch auf der Sitzfläche, wir werden 20 Minuten brauchen. Das Boot füllt sich im letzten Augenblick mit 15 Passagieren, volle Auslastung, hauptsächlich Schwarze, drei Mädels im Sonntagsstaat. 

 

Olde Yard Village, Virgin Gorda, Sonntag 21. Januar 2018

Auf der Insel sind die Zerstörungen des Hurrikans Irma unübersehbar. Die meisten Dächer sind zerstört, mindestens beschädigt, einige provisorisch mit Planen abgedeckt. Üblicherweise sind die Dächer mit Wellblech gedeckt. 90 % aller Fahrzeuge wurden beschädigt, meist fehlen Scheiben und die Scheiben wurden durch herumfliegende Objekte eingedrückt. Im Yachthafen liegen Yachten übereinander, stark beschädigt. mit Hilfe des Commonwealth wurde die die Infrastruktur wieder hergestellt, die alten Leitungen und gebrochenen Masten liegen noch daneben. An den Privathäusern, Hotels beginnen die Reparaturen, überall ist das Klopfen der Handwerker zu hören. Die Einwohner erzählen mit einer gewissen Resignation von den Schäden, von den erfolgten Reparaturen und von dem weiten Weg, der noch zu gehen ist. Deshalb sind auch kaum Touristen zu sehen, gerade jetzt in der Hauptsaison. Wenigstens kommen einige Yachten rein oder ein Landungsboot eines Kreuzfahrtschiffs. Erst wenige Geschäfte und Restaurants haben wieder geöffnet. Wir bereuen unsere Entscheidung trotzdem zu kommen nicht, denn die Landschaft, die Strände sind wunderschön. 

Olde Yard Village, Virgin Gorda, Montag 22. Januar 2018

In der Nacht hat es kräftig geregnet, am Morgen sind es bereits wieder 25 Grad. Wir haben 12 Stunden geschlafen und wachen total entspannt auf. Der Wind weht ums Haus. Strom ist ausgefallen, eine w-lan Verbindung gelingt nicht. Wir werden morgen feststellen, dass wir den Browser ändern müssen, dann klappt's. Wir warten auf den Mietwagen und wollen anschließend Einkaufen und die Insel erkunden. Der Jimmy ist ein super Fahrzeug, wir fahren zwei Stunden auf der Insel herum, bis wir den Supermarkt gefunden haben, der aber schlecht sortiert ist. Also weitersuchen bis zum zweiten Supermarkt, klasse sortiert. Mittagessen in der Nähe des Hafens: Chickencurry für mich, schmackhaft; Fischkopf für Ruth, "steamed fish", als Nichtkundige ungenießbar. Soll aber eine Spezialität sein. Hatte Ruth auch schon einmal vor Jahren in Portugal erfolglos versucht. 

 

Wir fahren zum Restaurant und Aussichtspunkt "Top of the Baths" am Rande des gleichnamigen Nationalparks. Toller Blick. In der Bucht ankern Katamarane. Freundliches aber langweiliges Publikum. Lecker Eiskaffee, blöder Chocolate Cake für 7 US $. 

 

Weiter zur Kupfermine, wo 1840 Kupfer abgebaut wurde. Menschenleer, tolle Atlantikküste (s.o.), das vielgelobte Restaurant dort noch nicht wieder in Betrieb. Anschließend einmal über die Insel an das nördliche Ende und wieder zurück an den Savannah Bay im Westen. Wunderschöner Sandstrand mit glasklarem Wasser und gerade mal fünf Einheimischen, die auch baden. Scheint also sicher zu sein. Weiter an der Westküste hinauf Richtung Long Bay sind die Ressorts noch zerstört, der Wiederaufbau geht langsam voran. 

 

Wir erinnern uns, daß vor Jahren, sechs Wochen vor einer Kubareise, dort ein Hurrikan drübergezogen war. Dort fanden wir ganz wenige Schäden vor. Hier, vier Monate danach, ist noch viel zu tun. 

Unser neues Zuhause für eine Woche. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Hellmut (Mittwoch, 24 Januar 2018 17:35)

    Kein Bild von den zerstörten Yachten ?
    Ich bleibe am Ball

  • #2

    Ruth (Mittwoch, 24 Januar 2018 22:49)

    Hallo Helmut,
    ich habe die zerstörten Yachten extra nicht sofort gezeigt, damit du nicht in Tränen ausbrichst! Lieber Gruß

Olde Yard Village, Virgin Gorda, Dienstag 23.Januar 2018

Ein Angestellter der Wohnanlage hilft uns heute, in's Internet zu kommen. Der Trick: den Browser wechseln. Danke an Rainer, Dietmar und Hellmut für das feed back. Gestern hatten wir bei RTU, Rite Way, dem am besten sortierten Supermarkt, eingekauft. Genug Vorräte für Sandwich, Wurst- und Käsestückchen und ein Picknick am Strand. Wir fahren wieder an den Savannah Bay. Kein Mensch da, schöne Brandung, Sonnenschein, immer mal Wolken dabei, auch ein kurzer Schauer, 27 Grad, auch das Wasser ist warm. Gegen Ende des Schauers bildet sich ein toller Regenbogen. Am Horizont segeln viele Yachten vorbei, vornehmlich Katamarane. Einfach in die Ferne blicken, schwimmen, Strandspaziergang. Nach drei Stunden besser raus aus der Sonne, unsere winterlich blasse Haut soll sich langsam, ohne Sonnenbrand, anpassen. Imbiss bei New Dixies am Anleger gegenüber der Tankstelle. Nur einheimische Besucher, ein paar Gerichte Hausmannskost, lecker. Am Abend probieren wir zu Hause "Banks" Bier aus Barbados, das uns besser schmeckt als das "Carib" Bier aus Trinidad und Tobago. Und zum landesüblichen Abschluss einen Rum, auch aus Barbados. Über der Insel liegt eine merkwürdige Ruhe. Die Menschen scheinen sich ohnmächtig in ihr Schicksal zu fügen. Die diesjährige Hauptsaison geht an ihnen vorbei, und damit die Haupteinnahmequelle! Selbst wenn sich Gäste von den noch notwendigen Reparaturarbeiten nicht abschrecken ließen: Die Dächer der Ressorts sind bestenfalls notdürftig gesichert (Wenn denn die Wände unbeschädigt sind), die eigentlichen Dachdeckerarbeiten haben aber gerade erst begonnen. Und das nicht überall, denn Geld und Material müssen ja erst einmal verfügbar gemacht werden.    

 

 

 

 

Keine Ahnung wie dieser Zeitgenosse heißt, aber man sieht ihn überall. Eine Mischung aus Rabenvogel und Papagei. Vielleicht weiß einer von euch wie der heißt?

 

Jetzt wissen wir, wie dieser Vogel heißt: es ist ein Glattschnabelani

 

Nähere Informationen findet ihr im Eintrag von Tina!

(Falls es irgendjemanden interessiert! )

Selten so einen wunderschönen Regenbogen entdeckt!

Olde Yard Village, Virgin Gorda, Mittwoch 24. Januar 2018

Auf das Wetter ist Verlass: Sonne, Wolken, Wind, 27 Grad. Schauer gibt es vornehmlich in der Nacht. Mein Steckeradapter nimmt den Schukostecker des Laptops nicht auf, zu dick. Ich hatte nur mit dem i-phone Stecker geprobt. Also lokalen Stecker kaufen. Ausverkauft. Aber freundlicher Verweis auf den Feldweg die Straße runter links, da sei noch ein Baugeschäft. Unscheinbare Bretterbude ohne Beschriftung, aber goldrichtig. Stecker gekauft, aber keinen Schraubenzieher. Gut, dass nebenan gearbeitet wurde. Frau meinte: frag die doch mal. (Mann fragt ja so ungern anderen Mann, wenn er etwas nicht kann oder nicht findet! (Ruth). Die schicken mich weiter: da hinten ist der Elektriker. Gefunden. Ja, den Stecker kann er ans Kabel anbauen, macht er auch gleich. Geld will er nicht, bekommt er trotzdem, denn wir sind glücklich, schließlich zeigt die Batterie nur noch 14 %. Wir schließen den Laptop an und fahren zur großen Attraktion von Virgin Gorda: The Baths. Eine Formation von riesigen Granitfelsen, direkt am Strand, Nationalpark, sehr gepflegt. Einige Reiseführer lästern schon ob der Menschenmassen, die dorthin pilgern. Nicht so in dieser Saison. Wir treffen gerade mal fünf andere Touristen. Wir klettern den Weg zwischen den Felsen entlang, von oben scheint die Sonne herein, unten plätschert das Meer im seichten Wasser. Hier braucht man beide Hände frei und wasserfeste, gut sitzende Sandalen. Also klettern wir nicht bis Devils Bay durch. sondern kehren mittendrin um. Wir schnorcheln an der Hauptbucht und sehen eine Reihe von Fischen, die neue Schwimmbrille und die neue Schnorchelmaske bewähren sich. Inzwischen haben sich so um die 20 Yachten vor der Küste eingefunden, Touristen schwimmen an Land, überwiegend amerikanische Touristen. Auch zwei Stehpaddler, die bekommen meinen Ästhetik Preis. Am Strand dann sammeln, Blick nach rechts, Blick nach links, rauf zum Restaurant, Hamburger, Bier, Rumcocktail, Gruppenfoto,t-Shirt kaufen, beautyful, zurück auf das Schiff. Spring Bay nebenan ist ruhiger, kleines Naturbecken zum Schwimmen, großer abgegrenzter Schwimmbereich vor einem Ressort nebenan, muss aber noch repariert werden, menschenleer.  

Was für gegensätzliche Eindrücke! Auf der einen Seite zerstörte Dächer, teilweise zerstörte Mauern, PKW mit fehlenden oder beschädigten Scheiben, demolierte Baufahrzeuge, übereinander getürmte Yachten. Auf der anderen Seite Menschen, die den Wiederaufbau angehen, eine gewisse Zuversicht ausstrahlen, uns bei unseren kleinen Problemen gern und effektiv helfen und eine sehr schöne Landschaft, tolle Buchten mit Sandstränden, tolles Klima. Und deswegen sind wir hier. Die Aufbruchstimmung erleben wir gerne mit. Nach dem Eindruck der ersten Tage reißt uns die Küche allerdings nicht vom Hocker. 

Im Yachthafen sieht es noch schlimm aus. Ein mobiler Kran hat begonnen, die verkeilten, demolierten Boote voneinander zu trennen. Was davon noch schwimmfähig ist, ist uns völlig unklar.Gebäude für die Reparatur stehen nicht zur Verfügung. Und Reparaturmaterial muss von weither herangeschafft werden. Da gibt es an Land existenziellere Probleme.  

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Kommentare: 9
  • #1

    Christiane (Donnerstag, 25 Januar 2018 17:48)

    Hallo ihr Beiden, bei den Bildern wird mir richtig warm ums Herz, unter den Füße verspüre ich den Sand, der Body fühlt angenehm temperiertes Salzwasser und ich sehne mich nach den bunten Fischen. ICH WILL AUCH❗Schnorcheln in der Karibik❗
    Woraus besteht denn eurer Strandgut? Ihr würdet mir eine große Freude bereiten, wenn ihr mir ein wenig weißen Sand und eine Muschel mitbringt.Grins� Ich wünsche euch weiterhin eine entspannte Zeit mit vielen interessanten Begegnungen und einem reibungslosem Insel- hopping. Freue mich auf weitere Einträge. Liebe Grüße Christiane

  • #2

    Monika (Donnerstag, 25 Januar 2018 19:23)

    Ciao, ihr zwei, hier meldet sich die Nachbarin - soeben angereist aus Berlin, einen kurzen Bkick in euren verwaisten Garten geworfen und gleich nach eurem Reisebericht gesucht. Gefunden und schon vorgelesen (Kai). Sein Kommentar:" Schön geschrieben übrigens. Ungewöhnlich für einen Mann." Die Deutschlehrerin kann das nur bestätigen. Nach all den trüben grauen Tagen hier sind eure Fotos ( und die Texte) eine wahre Freude, trotz der Zerstörungen, die sie auch aufzeigen. Wir freuen uns, dass wir an eurer Reise teilhaben dürfen. Gut siehst du aus im (knappen) Bikini, liebe Ruth. Und der Strand - so weißer Sand.... Und die Landessprache ? Englisch? Das dürfte die ( schlechte?) Küche erklären...
    Bis bald, Grüße aus Lehndorf. Moni + Kai

  • #3

    Ruth (Freitag, 26 Januar 2018 14:36)

    Vielen Dank für eure Beiträge, Christiane und Moni!
    Moni, ich hoffe ja immer, dass mich am Strand endlich mal ein Agent als Curvy-Modell über 60 entdeckt! Leider sind so wenig Menschen anwesend.....In diesem Sinne.......

  • #4

    Tina (Freitag, 26 Januar 2018 17:32)

    Hallo Mapa,

    schön, dass es euch gut geht, allerdings hätten mir ein paar Fotos von Mama im geblümten Badeanzug auf ein paar herumschwimmenden Trümmerteilen mit neuer Schnorchelmaske auch sehr gut gefallen- und daneben Papa mit diesem wundervollen Safari-Hut und seiner allgegenwärtigen, gelben Tasche :) Falls euch das Essen zu langweilig wird, schicke ich euch ein paar Milka Schokoladen, so wie ihr mir damals in die USA geschickt habt...

    Lasst es euch weiter gut gehen, ich bin gespannt auf die nächsten Erfahrungen, die ihr macht! Grüßt die Fische von mir!!

  • #5

    Tina (Freitag, 26 Januar 2018 17:57)

    Beim nächsten Treffen mit dem schwarzen Vogel fragt ihn mal, ob er ein Glattschnabelani ist! Der ist bei euch weit verbreitet und verdrängt gerne den nahe verwandten Riefenschnabelani :)

    "Der Glattschnabelani (Crotophaga ani) ist ein Vertreter der Gattung Crotophaga innerhalb der Familie der Kuckucke (Cuculidae). Der schwarze, auffallend langschwänzige Vogel kommt in weiten Teilen Südamerikas, auf fast allen Inseln der Karibik und in einigen Gebieten Floridas und Mittelamerikas vor."

  • #6

    Ruth (Freitag, 26 Januar 2018 22:43)

    Ein Glattschnabelani!!! Warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen! Aber da gibt es ja meine ornietologisch bestens ausgebildete Tochter, die sich mit Schnabelanis hervorragend auskennt. Danke,mein Schatz!! (alter Klugschei.......)

    Wann bekomme ich endlich deutschen Kartoffelsalat mit Würstchen von dir geschickt???
    Küsschen Mama

  • #7

    Iris und Uwe (Samstag, 27 Januar 2018 13:16)

    �Jetzt habe ich es kapiert, habe immer auf eine Whats App gewartet, dann traf mich der Blitz .
    Ist ja toll war wir lesen konnten. Danke für diese wunderschönen Berichte. Weiterhin viel Spaß. LG Iris und Uwe
    Waren heute morgen spazieren bei Frühlingswetter sende auf Whats App 2 Fotos von eurer Hecke vor dem Kaffee

  • #8

    Ruth (Sonntag, 28 Januar 2018 00:40)

    Hallo Iris und Uwe,
    schön ,dass euch unsere Berichte gefallen! Die Fotos, die du schicken wolltest bitte Günther per What`s App schicken! Mein i-phone funktioniert im Moment nicht. L.G. Ruth und Günther

  • #9

    Monika (Montag, 29 Januar 2018 08:59)

    Danke für den Bericht und die Bilder. So bekommen wir Daheimgebliebenen einen Eindruck über das Ausmass der Schäden und die Schönheit der Natur. Wünsche weiterhin eine interessante Reise und freue mich auf weitere Berichte. LG Monika

Olde Yard Village, Virgin Gorda, Donnerstag 25. Januar 2018

Regen in der Nacht, warme Sonne am Vormittag, Wind. Der Tag beginnt bei bester Stimmung. Der Levericks Bay im Norden wird in den Reiseführern sehr schön beschrieben. Das Hotel wird gestrichen, die Wege gepflastert, Sand aufgeschüttet, Dächer wieder neu gedeckt. Im Restaurant und im Rum Laden werkeln die Handwerker, Möbel und Waren in der Mitte unter Planen zusammengestellt. Für die 10 Gäste läuft ein provisorischer Restaurant Betrieb. Ich gönne mir ein winziges, schmackhaftes Stückchen Cheese Cake für 9 US $.In der Bucht liegen einige wenige Yachten, zwei gestrandete Versorgungsschiffe an der felsigen Küste. Alle anderen Restaurants und Läden (außer dem kleinen Supermarkt) sind geschlossen. Fast alle Häuser sind beschädigt, viele zerstört. Die Autos demoliert, einige noch fahrbereit. Die Bucht liegt schön in der Sonne, vorgelagerte kleine Inseln am Horizont. Laute karibische Musik hält das Personal und die Handwerker bei Laune.    

Die Bucht nebenan ist der North Sound. Hier ist alles geschlossen. Eine traurige Ruhe. Wir blicken rüber nach Bitter End und haben auch dort den Eindruck erheblicher Schäden. Wir haben den Neubeginn gesucht und erste zaghafte Versuche der ganz großen Mitspieler gefunden. Das luxuriöse Preisniveau und die erste provisorische Wiederherstellung passen in dieser Gegend nicht zusammen.

Wir fahren zurück nach Spanish Town, genießen großartige Ausblicke aus 400 Meter Höhe über die Insel und das Meer und versorgen uns für einen Strandtag morgen selbst. Auf den Postkarten sieht Little Dix Bay schön aus, aber die beiden Zufahrten sind gesperrt. Wegen Bauarbeiten. Auch zu Fuß dürfen wir nicht weiter. Ärgerlich. Also fahren wir wieder an unseren Savannah Bay, schwimmen und entdecken an Felsen im Wasser Fische. Das schauen wir uns morgen genauer an. 

 

 

Die USA, UK, Canada haben im Januar 2018 Reisewarnungen für die Britischen Jungferninseln erneuert. Badende könnten am Strand und im Wasser auf Trümmerteile treffen. Eine Infektion mit dem Zika Virus ist möglich. In einigen Gegenden fehlen Elektrizität, Wasser, Medikamente, Lebensmittel. - Wir haben an den Badestränden keine Trümmer gesehen, Zika Infektionen sind in den USA häufiger als hier, die Straßenverhältnisse sind typisch 3. Welt und machbar, Elt, Wasser und Lebensmittel sind verfügbar. 

Das Abendessen in Coco Maya ist toll. Sehr schöne Architektur, schmackhafte Gerichte, aufmerksame Bedienung. Das hat uns so gut gefallen, daß wir uns für morgen gleich wieder einen Tisch reservieren lassen. 

Olde Yard Village, Virgin Gorda, Freitag 26. Januar 2018

Regenschauer in der Nacht und am Morgen, aber 10.00 Uhr ist alles vorbei. Unser Strandtag kann anlaufen. 

In der wöchentlich erscheinenden "The Island Sun" macht sich Dickson Igwe Gedanken über Irma und kreative Zerstörung. Überlegungen zu den Gesetzmäßigkeiten wirtschaftlicher Erholung nach Zerstörung. Jack Austere, Austeritätspolitik, Anhänger dieser Politik, wie die britischen Jungferninseln lassen die Dinge laufen, die wirtschaftliche Leistung reduziert sich, die Schwachen fallen raus, mit den Starken wird ein Neubeginn in einer dann stabileren wirtschaftlichen Umgebung möglich.Lass die Wirtschaft der britischen Jungferninseln doch implodieren. Diese Politik kümmert sich nicht wirklich um die tausenden von Arbeitslosen, die Geschäfte, die Konkurs gehen. Auch nicht um die Hunderte, die ihre Häuser und Fahrzeuge verloren. Auch nicht um die hungrigen Kinder, die ihren Glauben an den Weihnachtsmann und an eine Welt der Wunder verlieren. Die Frage bleibt offen, wo denn das Geld für was anderes als britische laissez faire Politik herkommen soll. Vom Tourismus auf absehbare Zeit jedenfalls nicht. Und wir haben ja auch nichts übrig, wir brauchen ja alles für den Flughafen, den Bahnhof und die Flüchtlinge. Auf der nächsten Seite der Sun wird von 97.000 US $ berichtet, die in das Dach und die Stabilisierung des kommunalen Altenheims auf Virgin Gorda investiert werden, jetzt, 5 Monate nach Irma.   

 

 

Das war ein super Strandtag! (Savannah-Beach, dass zweite Bild in der obersten Reihe der Fotos oben)) Wir sind lange geschwommen, haben die ganze weitläufige Bucht für uns gehabt. Na ja, nicht ganz, im Unterholz gleich im Anschluss zum Stand leben Hühner, suchen nach Fressbarem, ziehen ihre Jungen groß. Am Horizont Segelboote, kein Motorgeräusch stört die Idylle. Ruth findet Muscheln, die wir schon einmal in Südafrika am indischen Ozean gefunden haben. Da lässt sich sicherlich mal wieder ein Mobile draus machen, und eine muss für Christiane übrig bleiben. Zweimal überrascht uns ein warmer kurzer Schauer, einen überstehen wir im Wasser, einen im Auto. Durch den Wechsel von Wolken und blauem sonnigen Himmel wechseln auch die Farben des Wassers. Zum Mittagessen gibt's selbstgemachten Nudelsalat im Auto während gerade ein Schauer runterkommt. Zur Verdauung ein ausgiebiger Spaziergang am Strand. Wo wird schon noch mal die Illusion des Touristen, allein unterwegs zu sein, so wunderbar erfüllt?  

Zwei Exemplare unserer heutigen Ausbeute!

Oben ist ein Teil des Savannah-Beach zu sehen. Ein Strand, nur für uns allein.......

Abendessen im Coco Maya, man sagt, das beste Haus am Platz. Eigentlich waren wir wegen des schmackhaften Essens und der schönen Atmosphäre hingegangen. Aber der Abend entwickelte sich anders. Ruth machte sich die Arbeit, mir von den Gästen um uns herum ein jeweils ganz persönliches Psychogramm zu erstellen. Empirische Anhaltspunkte gab es ja zuhauf: Kleidung, Habitus, Blicke, Essgewohnheiten. Das wurde ein gar unterhaltsamer Abend. 

Olde Yard Village, Virgin Gorda, Sonnabend 27. Januar 2018

Käftige Schauer in der Nacht und am Morgen, dazu kräftiger Wind. Gegen Mittag scheint die Sonne bei üblichen 27 Grad. Am letzten Tag auf Virgin Gorda wollen wir noch einmal an den Strand.

Vor einer Woche hat Dr. Orlando Smith, Premier und Finanzminister der britischen Jungferninseln, der Presse einen Bericht über die Fortschritte beim Wiederaufbau der Inseln gegeben. Die Bank of Asia hat 49 Stromgeneratoren gespendet.Unternehmen in der Karibik und der kanadische Staat haben bei der Wiederherstellung der Elektrizitätsversorgung geholfen. Im Tourismus sind ca. 300 Zimmer wiederhergestellt. Der Premier hat 15 Mio. US $ bewilligt für bedürftige Einwohner und für die Sicherung ihrer Häuser. Für Streitigkeiten bei Versicherungsangelegenheiten wurde ein extra-Gericht geschaffen. Große Sorge besteht, im Zuge der Brexit Verhandlungen am Ende auf einer schwarzen Liste der Steueroasen zu landen, denn die Finanzdienstleistungen tragen wesentlich zum Bruttosozialprodukt der Inseln bei. Mir fällt auf, daß kein Kreditprogramm für Bürger zum Wiederaufbau erwähnt wird,  mit Garantien, Bürgschaften und Zinssubventionen. So ließe sich doch Zeit gewinnen.  

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Kommentare: 1
  • #1

    Moni (Montag, 29 Januar 2018 11:08)

    Guten Morgen, zurück im trüben Braunschweiger Grau, diesmal aus Fritzlar kommend - wieder mit Blick auf euer Häuschen und den winterlich- verwaisten Garten - stelle ich beim Lesen der Kommentare fest, dass es offenbar NOCH eine Monika gibt....ich schreibe jetzt also unter Moni, damit es zu keinen Verwechslungen kommt. Am Freitag fahre ich zurück nach Berlin, bis dahin werde ich mich mit Kai an euren Schilderungen und Fotos erfreuen. Die gelbe Tasche und der Safarihut sind auch uns aufgefallen, das Vergnügen am neu eingestellten Bild teilen wir also mit eurer Tochter, hier einzelne junge Dame genannt. Was mich noch besonders interessiert: gibt es ein Fazit am Ende der ersten Reisewoche? Überwiegen die positiven, hoffnungsfroh und zuversichtlich stimmenden Eindrücke, kann man den Blick lösen von den anderen, trüben diese nicht manchmal doch die Stimmung oder schärfen sie den Blick? Seid ihr eher beobachtende Reisende als Urlaub machende? Hättet ihr die gleiche Reise vielleicht doch lieber ein Jahr später angetreten oder ist es gut und richtig so wie es gerade ist?
    Ich freue mich auf weitere Eindrücke, Erlebnisse, Beschreibungen. Alles Liebe und weiterhin eine gute Zeit, Grüße von Kai.

Zum Vergnügen einer einzelnen jungen Dame:

Hier noch einmal eine Präsentation von Safarihut und gelber Tasche in ihrer natürlichen Umgebung.

Virgin Gorda, Sonntag 28. Januar 2018

Der Wind hat mit 50 km/h über die Insel geblasen, die ganze Nacht. Das ist ja gar nichts für die Einheimischen. Wir fanden das schon recht heftig und sind gespannt auf die Überfahrt auf die Hauptinsel Tortola und ob die 68 Sitze Propeller ATR nach Antigua überhaupt fliegen kann. In der Nacht fliegt ein großes Stück Blech von dem ohnehin beschädigten Dach krachend auf den Weg vor's Haus. Anschließend melden sich wie jeden Morgen die Hähne mit dem ersten Lichtstrahl. Beim Anblick der Fähre sind wir erleichtert, kein Schnellboot wie bei der Herfahrt, sondern ein größeres geschlossenes Boot, kein Problem. Der Flug findet wie geplant statt, harte Landung bei Seitenwind, und im Gegensatz zu den britischen Jungferninseln ist Antigua von den direkten Auswirkungen der Hurrikanes verschont geblieben. Anders als die 15 Flugminuten entfernte Schwesterinsel Barbuda, die zu 95 % zerstört ist.