Namibia, Botswana, 2015, Teil drei

 

Grootfontein, Dienstag 27. Januar 2015

 

In der Nacht etwas Gewitter, etwas Regen, aber die Regenmengen, auf die alle warten, wollen sich einfach noch nicht einstellen. Seidarap pumpt aus 12 m Tiefe ausreichend Wasser für Haus, Gäste, Garten und Pool hoch.

 

Heute fahren wir  zum Hobart Meteorit, angeblich dem größten der Welt. 60 t schwer, 80 % aus Eisen, 6 m lang, 3 m breit, 1 m dick. Teilweise in der Erde. Fiel vor 80.000 Jahren vom Himmel, kaum vorstellbar, muss fürchterlich gekracht haben! Wurde erst in den 1880ziger Jahren entdeckt und sollte schon mal eingeschmolzen werden. Ist jetzt aber als Nationaldenkmal geschützt.

Ruth (schwitzend): dritter Versuch mit Selbstauslöser (Kamera ausrichten, auf den Meteroiten springen, lächeln!). Touristen, auf Meteroid sitzend.
Ruth (schwitzend): dritter Versuch mit Selbstauslöser (Kamera ausrichten, auf den Meteroiten springen, lächeln!). Touristen, auf Meteroid sitzend.

Nach dem Abendbrot auf Seidarap gibt es frische Mangos aus dem Garten der Farm, gerade reif geworden.


Rundu, Mittwoch 28. Januar 2015


Stefan von Seidarap bringt ein Stück Schattennetz aus dem Garten vor dem Kühler-Lufteinlaß unseres Ford an. So wollen wir verhindern, dass Pollen von Gräsern auf unbefestigten Nebenstrecken das Kühlergitter dichtmachen und sich der Motor überhitzt.


Wir fahren dann drei Stunden lang durch menschenleeres Buschland, endlos geradeaus. Keine Tankstelle, kein Rasthaus, viel flimmernde Landschaft bei 33 Grad und blauem Himmel.

Selbsthilfe auf namibische Art, dazu tauge ich nicht.
Selbsthilfe auf namibische Art, dazu tauge ich nicht.
Endloses Buschland bei Seidarap auf 1.300 m Höhe.
Endloses Buschland bei Seidarap auf 1.300 m Höhe.

Später, kurz vor Rundu, tauchen kleine Ansiedlungen von Schwarzen auf. Rundhütten, vornehmlich aus Ästen und Lehm mit einem Dach aus Palmwedeln und Gras. Frauen mit Kanistern auf dem Kopf holen Wasser von der Wasserstelle, zum Kochen, Trinken, Waschen.

und dann fünf Kilometer mit dem Kanister auf dem Kopf ins Dorf, überwiegend Frauensache
und dann fünf Kilometer mit dem Kanister auf dem Kopf ins Dorf, überwiegend Frauensache

Der Polizist am Kontrollposten kurz vor Rundu blättert gelangweilt in meinem internationalen Führerschein. Dann bemängelt er das Fehlen des NAM Nationalitätenkennzeichens am Heck des Wagens. Ich sage ihm, das Auto gehöre Europcar und sei schon 38.000 km ohne gefahren. Da kommt ein anderer Deutscher mit freiem Oberkörper im Wagen an die Kontrollstelle, das kostet ihm umgerechnet 50 € Strafe und wir sind mit einem Male nicht mehr so interessant und sollen weiterfahren.


15 km hinter Rundu liegt unsere N'Kwasi Lodge am Ende von Feldwegen direkt am Okavango. Im März, April, auf dem Höhepunkt der Regenzeit, werden die Gäste die letzten Meter oft mit dem Boot gebracht, da der Zufahrtsweg dann streckenweise überflutet ist. Da helfen dann auch die Aufschüttungen mit Hilfe von Sandsäcken nicht mehr. Die Lodge wird vom Sohn des niederländischen Gründerehepaars betrieben und macht einen netten Eindruck. Reetgedeckte Gebäude, unsere Hütte aus Natursteinen, nach drei Seiten Fensteröffnungen, mit Insektenschutzgittern dicht verschlossen. Rasen, Pool, Solarlicht aus der Batterie, sparsam zu verwenden, 19.00 - 22.30 Uhr 220 Volt vom Dieselgenerator, Wasser aus dem Fluß, für Europäer nicht trinkbar. Das W-Lan ist sehr langsam, seit 6 Monaten läuft der Antrag, den Sendemasten in Rundu aufzustocken und mit besseren Sendern auszurüsten. Sehr hilfsbereite Angestellt und Eigentümer. In der Umgebung gibt es keine Arbeit, außer für die 40 Angestellten von 2 Lodges.

N'Kwasi Lodge. Die Dächer werden jetzt nach 20 Jahren erneuert.
N'Kwasi Lodge. Die Dächer werden jetzt nach 20 Jahren erneuert.

Die Hütten stehen auf dem aufgeschütteten Ufer, direkt am Schilfgürtel. Gelegentlich kommen drei Pferde vorbei, sie erhalten hier ihr Gnadenbrot und kümmern sich um das Rasenmähen.


Nachmittags lassen wir uns 1,5 Stunden auf dem Okavango herumschippern, Sunset Cruise. Auf zwei Kajaks ist eine Plattform montiert, hinten tuckert ein Außenbordmotor. Ein tolle Vielfalt von Vögeln, u.a. Komorane, Webervögel. Die Luft voller Vogelgezwitschere, sonst keine Geräusche, keine Autos, keine Schiffe, keine Flugzeuge. Durch den Regen der letzten Tage ist der Fluß von 0,5 auf 4,0 m gestiegen. Am nördlichen Ufer beginnt Angola. Die Familien auf beiden Seiten sind miteinander verwandt und besuchen sich gegenseitig. Hippos, Krokodile sind nicht im Fluß, dazu war er zu niedrig. Das Wasser riecht gut, kommt aus Angola, versickert im Okavango Delta in Botswana, fließt unterirdisch nach Südafrika, speißt dort den Orange River und fließt dann in den Indischen Ozean.


Die Tageszeitung berichtet, daß 2014 in den nördlichen Wildparks 78 Elefanten und 24 Rinos von Wilderern erlegt wurden. In diesem Jahr schon wieder 3 Elefanten. 2014 wurden 27 Wilderer festgenommen.   

Sunset Cruise
Sunset Cruise
Sunset Cruise, da ist er, der Sonnenuntergang
Sunset Cruise, da ist er, der Sonnenuntergang

N'Kwasi Lodge, Donnerstag 29.1.2015


40 mm Regen und viele Gewitter und heftiger Wind in der Nacht. 8.00 Uhr regnet es immer noch. Wir besuchen die örtliche Vorschule, wegen des Regens sind nur 2 von 40 Kindern da. Sie haben Anmarschwege von 5 bis 8 Kilometern zu Fuß, meist zusammen mit der Lehrerin. Frühstück, Lernen, Mittagessen, Duschen. Lehrer aus den umliegenden Dörfern.


Unser 35jähriger Führer wurde verheiratet. Die Familien müssen zusammen passen.  Er selbst will seinen Kindern Bildung verschaffen, ihren Partner sollen sie sich dann selbst suchen. In einem Dorf leben so 25 Menschen zusammen. Die Kinder bis 6 bei den Eltern, von 6 bis 10 im Kinderhaus, dann getrennt nach Geschlechtern. Unser Führer ist mit 19 mit seiner Frau (16) zusammengezogen. Zunächst wie üblich drei Jahre auf Probe. Er entscheidet, das sei seine traditionelle Rolle, die Frau folgt dem Mann. Aber wenn ihm ihre Argumente einleuchten, ändert er auch mal seine Meinung. Alle 25 essen gemeinsam. In den Hütten gibt es keine Schränke. Kleidung, Fischernetze, werden an der Decke aufgehängt und nehmen so keinen Schaden durch Feuchtigkeit oder Ungeziefer.


Unser Führer hat zwei Vornamen. Einen afrikanischen und einen christlichen. Die Menschen in der Gegend sind katholisch. Aber die christilichen Überlegungen sind europäisch geprägt und die Kirche gibt sich diktatorisch, zu wenig der Gemeinde zugewandt. Deshalb geht unser Führer seinen eigenen Weg und hat sich von der Kirche abgewendet. Der zweite, christliche Vorname bleibt in Gebrauch, den hatte ursprünglich die Kirche als Zeichen der Zugehörigkeit verlangt.   

Unser Führer mit zwei Großmüttern (die ihr Alter nicht wissen) im Dorf. Das Dorf ist Realität, kein Museumsort.
Unser Führer mit zwei Großmüttern (die ihr Alter nicht wissen) im Dorf. Das Dorf ist Realität, kein Museumsort.

Nachmittags fahren wir nach Rundu, der größten Stadt in der Gegend. Fürchterlich. Ohne regelnde Hand gewachsen, deckt den Grundbedarf, drei Läden für Autozubehör und -Ersatzteile. Die oft beschriebenen Holzschnitzarbeiten sind eher grob, phantasielos. Der Kontakt mit den Menschen ist von Freundlichkeit geprägt. Im Autoverkehr dominiert Vorsicht. Für das namibische Nationalitätskennzeichen als Autoaufkleber muß ich in 10 Geschäften fragen, bis ich fündig werde. Wir fahren genervt in die Lodge zurück und genießen die Abendsonne bei einer Tasse Kaffee.


Die Zeitung berichtet von der Freude der Namibianer über die Niederschläge der letzten Tage. Bis Sonntag, so die Vorhersage, soll es auf unserer Reiserute noch ergiebig regnen. Wir hoffen in der Nacht.


Ngepi Camp, Freitag 30. Januar 2015


 Wir sind 280 km nach Osten gefahren, Richtung Divundu. Die Teerstraße wurde gerade ausgebessert. 32 Grad und Sonne. Von der Teerstraße ab, 4 km Sandpisten, dann erreichen wir Ngepi Camp direkt am Okavango. Wird seit 25 Jahren von einem Südafrikaner betrieben. Unser Tree House steht auf hölzernen Stelzen im Schilf des Okawango, Reet und Gras Dach, als Wände dicke Bambusrollos, davor Planen, die den Regen abhalten. Bequeme Betten, mit Moskitonetz. Waschbecken  und Dusche vor dem Haus, Toilette um die Ecke und überdacht. Funktional, einfacher als gedacht, und auf allen Seiten offen für ungebetene Gäste. Zuviel für Ruths Geschmack, und bei den heftigen Regen in der Nacht auch alles klamm. Tree House ist bei trockenem Wetter und Sonnenschein dolle romantisch. Wir haben aber nur gelegentlich Sonnenschein... Strom kommt über Solaranlage. Im Schilf müssen tausende quakender Frösche sitzen, die sich gegenseitig in ihrem Konzert für uns überbieten. Grillen mischen sich ebenfalls ein. Dazu das Grunzen der Nilpferde. In der Nacht Gewitter und Regen.


Ngepi Camp, Sonnabend 31. Januar 2015


 Auf dem Gelände stehen ca. drei Meter hohe Giraffen, 30 cm hohe Warzenschweine und an den Bäumen einen Meter hohe Masken. Alles aus rostigem Blech. Ich spreche mit Mark Adcock, ob er uns den Künstler nennen könne. Nun, die Objekte hat er vor sechs Jahren von einem Künstler aus Zimbabwe gekauft, sind aus alten Autoblechen zusammengeschweißt. Eine Giraffe hat mal ca. 200 € gekostet. Die Frau von Mark arbeitet in Victoria, deshalb wohl seine guten Verbindungen nach Zimbabwe.


Tagsüber einige Schauer. Von 17.30 h bis 19.0 h machen wir eine Bootsfahrt auf dem Okawango mit. Breit, gemächlich dahinfließend, unbegradigt, voller Vögel, ein junges Krokodil gleitet schnell ins Wasser, Hippos tummeln sich im Wasser. Aber unser Bootsführer fährt vorbei, sein Herz schlägt für Vögel. Wir haben die Bilder vom Fluß bei Sta. Lucia in Südafrika im Kopf und sind enttäuscht. Wenige Hippos hier, eher scheu, kaum Gelegenheit, sie zu beobachten.


Nach dem Regen ist in unserem Treehouse alles klamm. Die Romantik des Baumhauses ist verflogen. In der Nacht heftige Gewitter, Ruth wacht zerstochen auf. Eine Mücke hatten wir unter dem Moskitonetz übersehen. Hätten wir bloß vor dem Schlafengehen eine Ladung Doom unter dem Netz versprüht, wie uns die Locals empfohlen hatten.


Ngepi Camp, Sonntag 1. Februar 2015


 Wir fahren an die Popa Rapids in die nahegelegene staatliche NWF Lodge. Die Stromschnellen sind unspektaulär, die Lodge scheint leer zu sein, aber beim Anblick der Steinhäuser werden wir neidisch. Wir fahren weiter in die Mahango Game Reserve. Wir beobachten Paviane, Meerkatzen, Steinböcke, Zebras. Alle anderen Tiere verstecken sich im dichten Busch. Wir halten an riesigen Affenbrotbäumen und blicken über unendlich weite Flußauen voller Schilf und Seerosen.. Mittagessen in der Mahango Safari Lodge, fest in deutscher Hand. Gerade ist eine deutsche Reisegruppe mit einem Bus angekommen. Die wissen, was in Deutschland alles geändert werden müßte und wie. Wir wissen, daß wir solche Gespräche nicht vermißt haben.


Abends ziehen Gewitter von allen Seiten auf. Nach dem Abendessen gehen wir mit ausreichend Tafel Lager Bierdosen bewaffnet zu unserem Tree House. In diesem Augenblick setzt auch schon der Dauerregen ein. Vom Dach tropft es an einigen Stellen in unser Haus, die Toilette ist naß. Alles ist klamm. Blitze, Donner, Regen, wir versuchen zu schlafen.


Camp Kwando, Montag 2. Februar 2015


Heute morgen ist alles klamm. Ruth findet wieder Mäuseköttel und einen kleinen Frosch in der Ecke. Genug der Romantik, wir reisen einen Tag vorzeitig zu unserer nächsten Station. Großes Steinhaus, geräumig, Reetdach, großes Badezimmer, hübsche landestypische Architektur, das Glück auf Erden. Duschen, den Körper pflegen, mit Genuß ins Bett steigen, ist das schön. Vor unserer Terrasse geht die Sonne unter, in einem irren Wolkenmeer. Wir wohnen direkt am kleinen Kwando Fluß.


Wir sind drei Stunden hierher gefahren. Endlos geradeaus durch den Busch. 180 km keine Tankstelle, kein Rasthaus, kein Geschäft. Ein paar Siedlungen der Schwarzen, Wände aus Ästen geflochten und mit Lehm verkleistert, Dach aus einer Astkonstruktion mit Gras gedeckt, hält so sieben Jahre. Selten kommt uns mal ein Auto entgegen. Auch hier ist die Straße frisch ausgebessert, die letzten 30 km neu gemacht, dann wieder die üblichen 3 km Sandpiste bis zum Camp an den Fluß. Kaum belegt, vielleicht zehn Gäste im Camp.


Thunfischsalat, Kalbfilet mit leichter Senfsauce, Waffeln mit Eis, ein super Abendessen. Wir setzen uns ans Lagerfeuer, in der Ferne viele Blitze, angenehme 22 Grad, viel Getier in der Luft, aber keine Mücken. Ruths rot unterlaufenes Auge (die Mücke wars, ich wars nicht) ist jetzt nach zwei Tagen Antibiotikum und Antihistaminikum fast wieder o.k.


Weltuntergang: Ruth findet im Laken ein kleines Insektennest. Im Moskitonetz muß eine tote Spinne entsorgt werden. Erinnerungen an das letzte Camp werden wach. Ekel. Ruth möchte auf dem schnellsten Wege aus dem Caprivistreifen raus nach Windhoek.



Hilfreiche Hinweise auf der Damentoilette des Ngepi Camps (das Hochladen hat 5 Min. gedauert)
Hilfreiche Hinweise auf der Damentoilette des Ngepi Camps (das Hochladen hat 5 Min. gedauert)

Kwando Camp, Mittwoch 4. Februar 2015


Helle Vollmondnacht, Grunzen der Hippos, aber keinen gesehen. Wir verzichten auf eine Bootsfahrt, denn die Krokodile gleiten sowieso ins Wasser und tauchen tief ab, wenn sie das Boot hören. Zeit für uns, zum Lesen, zum Dösen. Die zivilisierte Welt ist uns so fern. Wir tanken in Kasane für die morgige Weiterfahrt auf. Neben uns einer der 14 Amarok von der Paris - Daccar - Ralley, die von Walfish Bay nach Malawi überführt werden. Spende für ein dortiges Schulprojekt. Die illustere Truppe von VW übernachtet, wie der Zufall das so will, bei uns im Kwando Camp. Einen spreche ich an, ob er mal Assi in der Finanzleitung gewesen sei. Ja, stimmt, antwortet mir Dr. Dilger. Mitten in Afrika.  

Das Hochladen unserer Webseite dauert immer länger. Während der Wartezeit bleibt es spannen, oft bricht die Verbindung wieder ab. Hier im Teil drei wollen wir später noch Bilder ergänzen. Jetzt gehen wir mit dem Text weiter und richten dafür die Seite vier ein. In der Hoffnung, dass wir weniger Abbrüche haben und sich die Geschwindigkeit bei Hochladen etwas steigert...