Braunschweig, Sonntag 10. Januar 2016

In ein paar Tagen geht unsere Reise los. Bislang haben wir die Buchungen mit innerer Distanz erledigt. Die Planung der Route war eine eher technische Übung. Jetzt, je näher die Abreise kommt, spüren wir freudige Erwartung, wir malen uns in unserer Phantasie aus, wie einzelne Stationen wohl aussehen mögen, was an Erlebnissen wohl auf uns zukommen wird. 
Gerade leuchtete noch der Weihnachtsbaum
Gerade leuchtete noch der Weihnachtsbaum
Nach Weihnachten und Sylvester steht uns jetzt der Sinn nach Neubeginn. Wir sind mitten in der Aufräumaktion drin, einschliesslich Frühjahrsputz. Raus aus der Komfortzone, rein in neue Erfahrungen. Nach unserem Rythmus, ohne Gruppenerwartungen. Was uns so selbstverständlich erscheint, ruft in manchem Gespräch Erstaunen und ein "das kann ich mir gar nicht vorstellen" hervor. Spätestens dann begreifen wir den Wert der Chance, die vor uns liegt. Jeden Augenblick auskosten!
Der Mittagsschlaf der Gerechten
Der Mittagsschlaf der Gerechten

Mophane Bush Lodge, Montag 18. Januar 2016

Jetzt sind wir schon einige tage in Südafrika und kommen erstmals in unsere jimdo Seite rein. Auch eher zufällig. Hoffen wir mal weiter auf Wunder.
Der Flug mit KLM war angenehm, erstmals ein Tagesflug. Entspanntes, freundliches Personal, gutes Essen, 180 Grad Bett, das wir angesichts des frühen Aufstehens um 1.45 h für einen ausgiebigen Mittagsschlaf genutzt haben.
Unser Haus in Haenertsburg
Unser Haus in Haenertsburg
In Johannesburg, 23.00 h in der Nacht wird viel für Sicherheit getan: auf unsere Frage nach dem Shuttlebus zum Hotel begleitet uns ein Mensch vom Sicherheitsdienst quer durch den Flughafen zur Abfahrtstelle. Das Hotel ganz in der Nähe ist im Fabrikstil gebaut, informelle Stimmung, gute Schallisolierung, bequeme Betten, eine gute erste Nacht in Südafrika (Protea Hotel).

Am nächsten Tag holen wir unseren Nissan X-Trail 4 x 4 am Flughafen ab, installieren das Garmin Navi und fahren gen Norden aus der Stadt raus nach Haenersburg, 360 km. Linksfahren und Automatikgetriebe funktioniert gut. Der Himmel ist bedeckt, diese Woche ist mal Regenzeit. 22 Grad. Haenertsburg hat 300, fast ausschliesslich weisse Einwohner und wirkt wie aus einer Gartenbauzeitachrift. Jetzt am späten Nachmittag haben wir 27 Grad bei immer noch bedecktem Himmel.
Gebäudekomplex unserer Unterkunft in Haenertsburg am Abend
Gebäudekomplex unserer Unterkunft in Haenertsburg am Abend
Abends gibt es Lammkoteletts und Calamarisalat im Iron Crown in ausschliesslich weisser Gesellschaft. Schwarze räumen ab. Gemischte Pärchen Fehlanzeige. Frühstück bei Minki's. 21 Grad am Morgen, 29 Grad am Nachmittag. Über den nahen Magoebaskloof Pass fahren wir zum Debegeni Wasserfall mitten in eine subtropische Berglandschaft. Wir sind die einzigen Besucher. Die schwarzen "Wächter" kassieren 8 Rand Eintritt und wir sind faziniert von der ursprünglichen Vegetation. 
Debegeni Wasserfall
Debegeni Wasserfall
Subtropische Berglandschaft
Subtropische Berglandschaft
Mophane Bush Lodge, Dienstag 19. Januar 2016

Englisches Frühsrück, 29 Grad schon um 10.00 h, leichter Wind, ein paar Wolken am Himmel. Renhard hat den Reifen flicken lassen, Räder hinten und vorne getauscht, alles gut. Wir sprechen über das richtige Verhalten bei Raubversuchen auf der Bundesstrasse. Gestern erzählte uns ein Pärchen aus Lehrte von so einer Erfahrung vor ein paar Tagen. Dem ange blichen Polizeibeamten in Zivil die Scheibe nur einen Spalt weit öffnen, Motor laufen lassen, ihm bedeuten, dass wir zur nächsten Polizeistetion bzw. Tankstelle weiterfahren. Polizei über Handy alarmieren. Wir hatten nie so ein Problem, aber die Situation einmal durchgespielt bedeutet ja einen Erfahrungsvorteil. 

Nach dem Wasserfall sind wir bei Haenertsburg auf eine Teeplantage hoch in die Berge gefahren, mit theoretisch grossartiger Aussicht, nur nicht an diesem wolkemverhangenen Tag: Pekoe View Tea Garden. Wir sind zunächst die einzigen Gäste, später kommt noch ein anderes Pärchen dazu. Die Plantage ist nach jahrelangen rechtlichen Auseinandersetzungen im Eigentum einer schwarzen Stammesorganisation und erzeugt einen Ceylon-änhlichen Tee. Schmeckt gut, der Cheesecake ebenfalls. 

Freitagabend werden zwei weitere der sechs Cottages belegt, Wochenendausflügler. Wir fahren am Sonnabend 230 km weiter zur Zwischenstation in der Musina Naure Reserve, einem kleinen Nationalpark mit der höchsten Konzentration von Affenbrotbäumen in Südafrika. 22 km unbefestigter Rundweg im Park, beeindruckende Baobabs, wie wir hier im hohen Norden merken aber überflüssige Station, da hier auch viele Baobabs stehen.

Auf dem Weg müssen wir den linken Vorderreifen wechseln lassen, hat ein kleines Loch an der Seite, dass sich später auch mit Flüssig Reparatur Spray nicht verschliessen lässt. 

Die Gegend hier wird in den Reiseführern als Malariagebiet bezeichnet. Wir haben vielleicht zwei Mücken bislang erlebt und wie letztes Jahr wegen der Nebenwirkungen auf Vorsorge verzichtet. Statt dessen haben wir den Malaria Schnelltest im Gepäck und zur Erstbekämpfung eine Packung Malariatabletten.

Der mapungubwe National Park ist erst 2004 eröffnet worden, gestern und vorgestern waren gerade zwei andere Fahrzeuge noch im Park. Wir können an Aussichtspunkten herumlaufen, anhalten wo wir wollen (aber nicht aussteigen), und sind von der Landschaft ineinem weiten Flusstal, dem Limpopo River, begeistert. Wegen der starken Regenfälle letzte Woche sehen wir wenig Tiere. Dazu werden wir die zwei Wochen i. krügerpark noch ausreichend Gelege heit haben. 

Im Norden Südafrikas stehen viele Affenbrotbäume
Im Norden Südafrikas stehen viele Affenbrotbäume
Unser Bungalow in der Mophane Bush Lodge
Unser Bungalow in der Mophane Bush Lodge
Mapungubwe Nationalpark, Dreiländereck Südafrika/Botswana/Zimbabwe
Mapungubwe Nationalpark, Dreiländereck Südafrika/Botswana/Zimbabwe
überall wachsen Feigenbäume auf dem blanken Felsen, ja, brechen sogar den Felsen
überall wachsen Feigenbäume auf dem blanken Felsen, ja, brechen sogar den Felsen
Scheuer Klipspringer (lebenslange Paare, Partnerin war nicht weit) im Felsen am Rande des Weges
Scheuer Klipspringer (lebenslange Paare, Partnerin war nicht weit) im Felsen am Rande des Weges
Die Mophane Bush Lodge ist 7 km vom Parkeingang entfernt. Wir sind wieder einmal die einzigen Gäste. Erst am kommenden Wochenende wird die Lodge wieder voll. Was für ein auf und ab der Themperaturen: vorletzte woche bis zu 40 Grad, letzte Woche viel Regen, jetzt klart es auf und wir haben 33 grad. Das gleiche Muster wird uns später auch 250 km südlich in den Soutpans Bergen berichtet. Überall weht ständig ein leichtes Lüftchen.

Renhard, der Ranger auf der Lodge, bietet uns an den defekten Reifen mit einem Flicken reparieren zu lassen, denn ein Schaden an der Seite wird sich mit Reparaturspray  nicht dauerhaft verschliessen lassen. 

Als erstes machen wir 6.00 morgends einen morning drive mit Renhard durch das Gelände der Lodge und weiter in den Nationalpark. Erst 2004 eröffnet, aber von grosser, spürbarer bedeutung für die schwarze Bevölkerung. Identitässtiftend. Denn in der Apartheit Zeit hatten die Schwarzen die Rolle der Blöden. Jetzt stellen sie mit Stolz heraus, dass es in der Gegend schon 1200 das erste schwarze Königreich im südlichen Afrika gab. Künstler verarbeiteten dort Gold aus Zimbabwe, u.a. Zu einem goldenen Rhinozeross, das im lokalen, preisgekrönten Museum ausgestellt wird. Weltkulturerbe. 

Vor der beschlossenen Erweiterung des Parks nach Zimbabwe, über den Grenzfluss hinaus, müssen noch Verhandlungen mit Rinderfarmern abgeschlossen werden, die das Land derzeit nutzen. Die Erweiterung nach Botswana ist bereits beschlossene Sache. Und und Südafrikanischer Seite wird unsere Lodge und benachbarte Farmen auch in das Nationalparkgelände integriert. Bis aud Löwen werden alle anderen big four auf der Lodge angesiedelt. Löwen gibt es sowieso so an die 60 im heutigen Nationalpark schon. Die Lodge wurde voreinem Jahr von einer holländischen Gesellschaft gekauft und steht vor einer rasanten Entwicklung. 

Form und Grösse der Affenbrotbäume beeindrucken uns. So friedlich, Ruhe ausströmend, oft schon seit 1000 Jahren da. Zu 85 Prozent aus Wasser, bis zu 30 m Umfang, ca. 15 Meter hoch, meist gleichmässig gewachsen. Nix mit Nutzholz, eher faserig, oft beschädigt, da Elefanten in trockenen Zeiten an den Stamm gehen, die Fasern abreissen, fressen und dabei das Wasser aufnehmen. Oder den Stosszahn in den Baum bohren und das austretende Wasser trinken. 

An 21 der 2000 Wetterstationen Südafrikas wurden bis zum 8. Januar die höchsten Themperaturen zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. 39 bis 45 grad. Obwohl Regenzeit ist, kommt kaum Regen runter. Schön für uns, schlecht für die Farmer. Die Maisernte ist schlecht ausgefallen, neben dem Wasser fehlt damit auch Futter, Importe sind nach dem Verfall des Wechselkurses nicht bezahlbar, also Notschlachtungen und dramatische fina nzielle Verluste. 

Wir fahren an den nächsten Tagen noch ein paar mal in den Park, am Ende dann bei aufgeklartem Himmel. Der Ausflug in den westlichen Teil des Parks ist eine Enttäuschung, flaches eintöniges Gelände, die schöne Strecke am Fluss noch nicht wieder befahrbar, an der Vogelbeobachtungsstelle wenig Vögel. 17.00 Uhr holt uns Renhard zur Sonnenuntergangstour ab. Über Stock und Stein auf dem Gelände der Lodge. Imbiss auf einer kleinen Anhöhe mittendrin, heute mal ein langweiliger Sonnenuntergang. Dafür LeopardenSpuren  und Leopardenrufe aus dem nahen Mophane Busch. 
im Nationalpark
im Nationalpark
Minischildkröte
Minischildkröte
Idylle im Sonnenuntergang...für unsere Tochter......
Idylle im Sonnenuntergang...für unsere Tochter......
Unendliche Weite
Unendliche Weite
Mal die umgekehrte Situation: Günther allein unter Farbigen!
Mal die umgekehrte Situation: Günther allein unter Farbigen!
Madi a Thavha Mountain Lodge, Mittwoch 20. Januar 2016

Wir fahren aus dem äussersten Norden Südafrikas 250 km zurück nach Süden und biegen bei Louis Trichart oder in der Vhenda Lokalsprache Makhado, 7 km nach Westen ab in die Soutpansberge. Jetzt sind wir auf 1000 m Höhe in einem Bergtal, um uns herum 1300 m hohe Berge. Mit 25 Grad angenehm kühl. 

Das Thema Salz verfolgt uns. Letztes Jahr schon in der Kalahari Wüste mit ihren vielen Salzpfannen und dem Risiko, dass Brunnen plötzlich statt Süss- dann Salzwasser fördern. Dann in unserer Lodge am Magpungbuwe Nationalpark mit salzigem Quellwasser aus der Leitung, alles Trinkwasser ging nur aus der Flasche und jetzt hier das Salzpfannengebirge, das allerdings wunderbar weiches Trinkwasser in den Wasserhahn liefert. Hier mitten in Afrika war mal ein Meer, dann gab es in früher Vorzeit eine Bodenerhebung und heute befindet sich der ehemalige Meeresboden auf ca 500 m Höhe, bestimmt die Vegetation und die Qualität des Grundwassers. Der Meeresboden erstreckt sich von der Kalahariwüste durchgängig über wohl 500 km bis an den Rand dieser Berge, in denen wir jetzt Station machen.

Abendessen mit 4 anderen Pärchen auf der Veranda der Lodge. Gewöhnungsbedürftig nach den Tagen allein in der vorherigen Lodge. Wir hören den Berichten über Urlaube zu. Fakten über mehrere Jahrzehnte, Heldentaten. Aber kein Austausch mit der lokalen Bevölkerung, kein Verstehenwollen der unterschiedlichen Lebensentwürfe, kein Abwägen. Dafür viele ultimative Hinweise was man in Birma, Thailand, Malaysia, usw. Unbedingt gesehen haben muss. 

Madi a Thavha, Donnerstag 21. Januar 2016

28 Grad, Sonnenschein, leichtes Lüftchen, wir sind bester Stimmung. Wir aktualisieren das Reisetagebuch, sehen 6 Grad Frost in Braunschweig und erleben aus der Ferne die allgemeine Rat- und Hilflosigkeit angesichts der anstehenden Flüchtlingsintegration. Anarchie im wohlgeordneten Deutschland.

Uns ist heute nach südafrikanischer Kleinstadt. Wir fahren nach Louis Trichart, laufen durch die Strassen, finden im Hof einer Kirchengemeinde ein gutes Cafe und kaufen Salat und Fleisch zum Grillen ein. Wir haben ja eine voll ausgestattete Küche und einen Webergrill ( Kleinformat) 
auf der Veranda.

Wir finden das Postamt, dort möchten wir Briefmarken für Europa kaufen. Die Schlange schwarzer Kunden vor uns ist bald abgearbeitet, wir tragen unser Anliegen vor. Der schwarze Postbeamte findet nach längerm Suchen in seinem Computer das Porto für diesen Fall: 7,70 Rand, so etwa 0,45 €. Er geht (im Schneckentempo) an einen Schrank am anderen Ende des Postamts und kommt mit der Wertzeichenmappe zurück. Nach mehrmaligem Durchblättern der Fächer scheint er Briefmarken ausgewählt zu haben und macht auf einem Schmierzettel eine kleine Nebenrechnung. Dann faltet er Briefmarkenbögen, reisst Briefmarken ab, neben ihm auf dem Tisch stapelt sich ein Haufen Briefmarken. Ruth wird unruhig, begegnet der Herausforderung mit Unverständnis. Die schwarzen Kunden in der Schlange hinter uns warten gleichmütig, wortlos. Zwecks (mehrmaliger)! 
Überprüfung werden die Briefmarken von einer Seite des Arbeitsplatzes auf die andere Seite sortiert und nachgezählt. Angesichts der Vielzahl an Briefmarken fragt Ruth den Beamten, ob er mal exemplarisch Marken für einen Brief und Marken für eine Postkarte Zusammenlegen könne. Die Antwort besteht in unverständlichem Murren und weiterer Überprüfung der Markenauswahl. Dann kommt es zum Zahlungsvorgang. Wie ich denn bezahlen wolle; Visa sei am besten, weil die Schublade mit dem Wechselgeld nicht aufgehe. Visa ist o.k. Für mich, dafür müssen wir aber an einen anderen Schalter gehen. Die Visakarte geht aus unerfindlichen Gründen nicht durch, deshalb gehen wir an den ersten Schalter zurück. Ich gebe einen 100 Rand Schein hin, die Schublade geht auf, ich bekomme das Wechselgeld auf 77 Rand zurück und wir verlassen die Post eine halbe Stunde nachdem wir sie betreten haben. Um eine Erfahrung und fünfzig Briefmarken reicher. Nämlich pro Brief 3 a 2 Rand, 1 a 1 Rand, und 1 a 0,70 Rand. Wir kaufen gleich noch ein paar Briefumschläge, denn vorlauter Briefmarken würde auf einer Postkarte ja kein Platz mehr für einen Text bleiben. 

Abends grillen wir Hähnchenschenkel und ein riesiges Stück gut gewürzter Boerwurst, der lokalen Rindfleischbratwurst, ein Genuss!



Das Hauptgebäude der Madi a Thavha Lodge
Das Hauptgebäude der Madi a Thavha Lodge
Impression: Louis Trichart
Impression: Louis Trichart
Ruth prüft das Angebot
Ruth prüft das Angebot
Jeder trägt seine Last
Jeder trägt seine Last
Madi a Thavha, Freitag 22. Januar 2016

Wir haben super geschlafen, lassen uns Zeit mit dem Aufwachen und gehen durch kalte 20 grad zum Frühstück. Wir lassen uns eine Ausflugse pfehlung in die Soutpansberge geben. Wir fahren weiter nach Westen, weg von der Stadt, rein in das Vhenda Siedlungsgebiet. Vor der Eisenbahnlinie weist ein handgemaltes schild "Mendike" den Weg. Geröllpiste irgendwie parallel zur Eisenbehnstrecke in ein Tal hinein, ansteigend. Im 4 Rad Betrieb und 1. Gang. "Reception Mendike", wir machen das baufällige Gatter auf und gelangen an ein flaches Gebäude in dem und an dem die Zeit vor Jahren stehengeblieben ist. Erst kommen nach einiger Zeit Hunde, dann Hannes. Holländer, vielleicht 55 Jahre alt, schlank, löchrige Schuhe, modernes Hemd, zurückhaltend freundlich. Hannes ist im Ruhestand, seine Frau hat eine feste Anstellung als Schulinspektorin und ist die Woche über unterwegs. Hannes hat vier Cottages zu vermieten, ohne Strom. Die Einrichtung scheint sehr in die Jahre gekommen. Die antiquarischen Möbel im Haupthaus hat seine Frau gesammelt. Hannes vermietet nicht mehr gern, er hat ja kein Personal und muss deshalb alles selbst machen. Er weiss, dass der Weg gemacht werden müsste, aber dazu fehlt ihm die Lust. Telefon haben sie nicht mehr, Mobilfunk reicht nicht bis hier hinten ins Tal. Das Wasser bekommt er von einer Quelle in den Bergen, Strom über Solarelemente. Lust in die Stadt zu fahren hat er nicht, er liebe die Einsamkeit und kommt seltsam entrückt, ausgeglichen, mit sich zufrieden rüber. Er hat auch keine Lust, sonst noch was aus seinem Anwesen zu machen. Wenn wir rumlaufen, begegnen wir vielleicht zwei Vhenda Reitern. Denen hat er erlaubt, ihre Rinder Auf seinem Grund und Boden weiden zu lassen. Er ist vor 30 Jahren hierher gekommen. Die Eisenbahnlinie ist nicht weit, dort steht das (Stations-) Schild "Medike". Zum Abschied reden wir lange über die Entfremdung der Regierungen vom Volk, in Südafrika, Frankreich, Deutschland. Hannes hat das Radio so laut aufgedreht, dass er es im ganzen Haus hören kann.

Abenda grillen wir noch einmal, diesmal Lamm. Nach 31 Grad am Mittag sind es 22.00 Uhr immer. Noch 24 Grad.
Auf dem Weg nach Medike zu Hannes
Auf dem Weg nach Medike zu Hannes
Nicht ganz einfache Geröllpiste
Nicht ganz einfache Geröllpiste
Im Tal von Mendike
Im Tal von Mendike
Die drei Fotos oben zeigen das Wohnzimmer von Medike...
Blick in eines der zur Vermietung stehenden Häuser.
Auf der Veranda von Mendike
Auf der Veranda von Mendike
Madi a Thavha, Sonnabend 23. Januar 2016

Wir laufen gleich nach dem Frühstück drei Stunden durch die Berge. Was für eine beeindruckende Vielfalt von lauten Vogelstimmen am Morgen! Der Wasserfall ist nahezu trocken, trotz Regenzeit. Der Affenbrotbaum hoch in den Bergen sieht aussergewöhnlich gut aus. Kein Wunder, hier knabbern keine Elefanten an ihm herum. Der Baum ist bestimmt 1000 Jahre alt. Er strahlt was gewaltiges, was ruhiges aus. So kräftig, wie für die Ewigkeit. 

Wir holen uns Ratschläge für die nächsten vier Tage ein. Hört sich sehr interessant an. 
Blick vom Berg in das Tal mit der Madi a Thavha Lodge
Blick vom Berg in das Tal mit der Madi a Thavha Lodge
Sooo gross ist der Affenbrotbaum! Pro ausgestreckter Armlänge ca. 110 Jahre.
Sooo gross ist der Affenbrotbaum! Pro ausgestreckter Armlänge ca. 110 Jahre.
Die holländischen Eigentümer der Lodge haben für ein Entwicklungsprojekt in Südafrika gearbeitet und sind anschliessend im Lande geblieben. Die Lodge ist fair trade zertifiziert und lokale Kunst kann in guter Qualität erworben werden. Die Eigentümer wenden viel Energie auf, um Entwicklungsimpulse zu geben. Aber allein hier in der abgeschiedenen Gegend ist es nicht leicht auszuhalten, so alle vier Wochen fahren sie raus, z.B. Nach Johannesburg um Freunde zu treffen. Und pflegen auch Freundschaften, heute Abend war das Haus voller niederländischer Abendbrotgäste. 
Shiuvari Lodge, Sonntag 24. Januar 2016

Die Fahrt hierher in die Nähe der Kleinstadt Elim hat knapp eine Stunde gedauert. Während in Louis Trichart, 30 km entfernt, immer noch Weisse im Strassenbild sind, sind hier im ehemaligen Homeland nur Schwarze. 

Vor der Abfahrt hierher haben wir mit Marcel, der Miteigentümerin von Madi a Thavha, über die gesellschaftliche Entwicklung in Südafrika gesprochen. Wir konnten, zumindest in den ländlichen Gegenden, kaum eine Veränderu g des alten Misters "Weiss oben, Schwarz unten" feststellen. Marcel war ja im Zuge eines Entwicklungsprojektes nach Südafrika gekommen und hat sich Unterstützung schwarzer Emanzipation auf die Fahnen geschrieben. Dabei muss sie immer wieder antreiben. Sie stellt mangelnde Initiative bei den Schwarzen auf dem Lande fest. Ganz anders bei Schwarzen Freunden in Johannesburg, die mit grossem Ehrgeiz und Gestaltungswillen an das Leben herangehen. Hier im bzw. am Rande der Homelands wurde vom Apartheitsregime auf niedrigem Niveau immer für die Menschen gesorgt. Die Regierung kaufte LKW weise lokale Kunst auf. Jetzt müssen sich die lokalen Künstler selbst um Märkte, die Geschmäcker der Märkte, die Kundenbeziehungen kümmern. Und tuen das äusserst zögerlich. Wir ziehen Parallelen zu den neuen Bundesländern. Probleme, die sich erst über Generationen lösen lassen. 

Nachmittags laufen wir durch Elim. Schwarzer Mittelstand. Zwei überdimensionierte Shopping Malls, viele Autos, viele SUVs. Meist kleine, individuell aus Stein gebaute Häuser über ein grosses Gebiet verteilt, überall neue Baustellen, aufgeräumtes Kleinstadtbild, irgendwie sympathisch. Wir sind die einzigen Weissen weit und breit. Uns hat niemand vorgewarnt, also brauchen wir auch keine Angst zu haben, sagen wir uns. Und hoffen, dass wir nichts überhört haben. Ruth wundert sich über sonst unübliche Augenkontakte, manchmal ein freundlicher Gruss, oft alltägliches Aneinandervorbeigehen. 
Zu Gast bei "Spar"
Zu Gast bei "Spar"
Gesunde Nahrung auf dem Sonntagsmarkt gleich nebenan
Gesunde Nahrung auf dem Sonntagsmarkt gleich nebenan
Tradition und modernes Bankgeschäft am Geldautomaten perfekt kombiniert
Tradition und modernes Bankgeschäft am Geldautomaten perfekt kombiniert
Siuvari Lodge, Montag 25. Januar 2016

Vormittags waren wir bei zwei Textilwerkstätten und bei einem Holzschnitzer. Nicht leicht zu finden im Gewirr der unbefestigten Neben"Strassen". Überall freundliche Passanten, die den Weg erklären. Wir nehmen ein paar Kissenhüllen und ein paar Tischläufer mit und bei Patrik dem Holzschnitzer eine Skulptur aus schwerem harten Holz. Ein nachdenklicher Kopf von einem Sohn, der Vater und Bruder verliess um Bergmann zu werden. Als er zurück kam, hatte der Bruder die Rinder der Familie verkauft. Jetzt grübelt der zurückgekehrte Bergmann, was ist bloss aus dem Reichtum der Familie, den Rindern geworden? Ein anderer Holzschnitzer zeigt uns seine amtliche Bescheinigung, dass er ein Medizinmann ist. Sculpturen hat er zur Zeit nicht, er kann nur schnitzen, wenn er Eingebungen hat. Bei der einen Textilwerkstatt unterbrechen wir das Programm der Vorschule nebenan durch unsere simple Anwesenheit. Bei der anderen Textilwerkstatt lernen wir den einmonatigen Enkel der Künstlerin kennen. 

Dann sind es 34 Grad und wir unterbrechen unsere Tour durch die Vendha Kunstwerkstätten. In der Shopping Mall von Elim lassen wir uns zu fish ans chips und Bratwurst hinreissen, Hauptsache die Umgebung ist gekühlt. 
Vorschule (unterbrochen), neben der Textilwerkstatt
Vorschule (unterbrochen), neben der Textilwerkstatt
Textilkünstlerin Elisa mit Enkelsohn
Textilkünstlerin Elisa mit Enkelsohn
Bei Lucky, dem Holzschnitzer und zertifiziertem Heiler
Bei Lucky, dem Holzschnitzer und zertifiziertem Heiler
Mystisches in Lucky's Reich
Mystisches in Lucky's Reich
Bei Lucky's Schüler Patrik kaufen wir den zurückgekehrten Bergmann
Bei Lucky's Schüler Patrik kaufen wir den zurückgekehrten Bergmann
Als wir nach dem Mittagessen noch durch die Mall bummeln, bittet uns ein junger Mann nach draussen, unser Auto sei von einem anderen beim Ausparken beschädigt worden. Sieht recht verschrammt aus, ich bedande mich und bekomme die Zulassungsnummer des Fahrerflüchtigen, die sich der junge Mann notiert hatte. Nach längerem Suchen finde ich eine Security Frau, die ihren Chef anspricht, der mit der Polizei telefoniert und mir sagt, ich solle Zur Polizeistation fahren. Inzwischen bot ein anderer Schwarzer Ruth seine Hilfe an und fuhr vor uns her zur Polizeistation. Volles Haus. Irgendwie an Wartenden vorbei zum Schalter. Geschichte immer wieder erzählt. Mit Beamten raus aus der Wache zum Auto, zurück in die Wache, Lautstarke Beratschlagung der Beamtinnen und Beamten unter einander in irgendeiner Stammessprache, Klärung von Zuständigkeiten, Übergabe an einen Verkehrspolizisten, dann sind drei Stunden vergangen und wir fahren mit einem Polizeiwagen im Schlepptau in unsere Lodge um Daten aus dem Reisepass in das Anzeigeformular zu übernehmen. Morgen sollen wir noch einmal auf die Polizeiwache Waterval kommen und uns dort die case number abholen, die der Autovermieter haben will.

Inzwischen habe ich mehrmals mit dem Autovermieter telefoniert, Ersatzfahrzeug haben die nicht, ich kann die Reparatur auf eigene Faust durchführen lassen. 20 km entfernt halten wir 16.30 h an der ersten Karosseriewerkstatt in Louis Trichardt und fragen um Hilfe. Jonas, ein kerniger Bure, schnappt sich Autoschlüssel und Auto und ruft zwei Mechaniker heran. In kürzester Zeit sind lose Teile demontiert und der Rest notdürftig fixiert. Gerade rechtzeitig vor Dienstschluss um 17.00 h. Ich will bezahlen, aber Jonas sieht das als Kundendienst, wir einigen uns auf ein Trinkgeld für die beiden Mechaniker. Das gibt es nur in Afrika! Nach zwei Stunden sind wir wieder an der Lodge. 

Das beschädigte Auto, die Polizeibeamtin, der hilfreiche Schwarze und ich
Das beschädigte Auto, die Polizeibeamtin, der hilfreiche Schwarze und ich
Shiuvari Lodge, Dienstag 26. Januar 2016

Die Nacht über hat es geregnet, der Himmel ist frühmorgends noch verhangen, die Wolken hängen noch zwischen den Bergen. Da verlängern wir lieber den Schlaf noch ein wenig und geniessen die angenehme Wärme drinnen. Draussen sind es nur noch 24 Grad.

Die nächsten Tage wissen wir nicht, ob w-lan zur Verfügung stehen wird. Vorletztes Jahr hatten wir im Krügerpark noch keine Verbindung. Dieses Jahr werden wir 16 Tage im Krügerpark bleiben.

Die Figur des Holzschnitzers gestern ist aus leadwood und entsprechend schwer zu tragen und zu bearbeiten. Wir nehmen sie mit umso mehr Respekt mit nach Hause.

Ruth hatte seit Beginn der Reise ein trockenes Auge. Erst haben wir in einer südafrikanischen Apotheke Tropfen gekauft, die aber keine Linderung brachten. Gestern in der Shopping Mall kamen wir an einem chinesischen Laden vorbei mit Heiltees gegen alles und mit Naturheilmitteln. Ruth liess sich dort Augentropfen für 1,80 € geben und verspürt schon nach nur drei Anwendungen deutliche Linderung. Und hofft auf nachhaltige Wirkung.

Heute holen wir uns bei der Polizei unsere case number, fahren bei ein paar Töpfern vorbei und dann über Nebenstrassen durch die Berge in den äussersten Nordosten in das Dreiländereck Zimbabwe/Mozambique/Südafrika.
Viele Kinder und Erwachsene laufen vormittags mit Jacken und Mützen herum. 24 Grad muss für die arschkalt sein. Normal wären 35 bis 40 Grad.

Wir fahren über Geröllpisten zu Thomas Kubayi in den Ort Tshivhuyuni. Im ersten Gang, über Geröllpisten, alle ordentlich im Garmin verzeichnet. Wir telefonieren Thomas zu seinem Atelier hin und schauen uns seine Arbeiten an. Das beste, was wir bislang gesehen haben. Für 300 R kaufen wir die weibliche Figur "Respekt" aus Leadwood oder auch Eisenholz. Wenn die lokalen Frauen einen fremden Mann treffen verlangt es die Tradition, dass sie den Blick senken. Für weitere 300 R kaufen wir die männliche Figur "Inauguration", die einen jungen Mann vor dem Initialisierungsritual zeigt. 

Bei 33 Grad Mittagsthemperatur fahren wir eine Stunde in die Hauptstadt des Homelands, Thohoandou. Khoroni Hotel. Ordentlich, auch einige wenige weisse Gäste. Anso sten wird das Srassenvild zu 99 Prozent von Schwarzen geprägt. Beim Gang durch eine Mall am Busbahnhof sind wir die einzigen Weissen weit und breit und sind uns unsicher, ob wir willkommen sind. Wir besuchen das arts and cultural center, dass uns empfohlen wurde. Totale Fehlanzeige, verstaubt, Stücke dritter Wahl. 

Auch hier ist das Leitungswasser Trinkwasser, bis auf eine gilt das für alle bisherigen Stationen. Oft auch gleichzeitig noch Quellwasser aus den Bergen. 

Das dinner buffet hat mässige Hotelqualität, Hühnchen und Lamm schmecken gut. Der korpulente schwarze Restaurantleiter begrüsst den schwarzen Gast am Nebentisch mit Handschlag. Für dessen Partnerin hat er ein flüchtiges Nicken aber heinen Handschlag übrig. Ruth erinnert sich an. Unsere Besuche bei den drei woodcarvern. Gespräche auch dort nur unter Männern, Handschlag mit mir, mit Ruth notgedrungen, wenn sie die Initiative ergriff. Eben Respekt... Dafür umso herzlicher Kontakt mit den Frauen in den Textilwerkstätten. 

Zum Abschluss des Tages gehen wir an die slotmachines im Hotel casino. Die Spielregeln verstehen wir nicht, aber aus 70 R Einsatz werden 740 R Gewinn.
Thohoyandou, Mittwoch 27. Januar 2016

Wir nutzen das Hotel w-lan um das Tagebuch zu ergänzen, wer weiss, vielleicht die ketzte Gelegenheit für einige Tage. 

Ruth versucht bei jeder Gelegenheit mit schwarzen Kleinkindern anzubändeln. Kommt hier in der Gegend aber nicht so gut an. Meist steht zunächst ungläubigrs Staunen in den kleinen Gesichtern geschrieben, dann Angst und Tränen, dann neugierige um die Mutter herum, was für ein exotisches weisses, blondes Wesen denn da auf der Bildfläche aufgetaucht ist.

Mopani Restcamp, Confernce Center, Mittwoch 3. Februar 2016

Dieses privat finanzierte Restcamp mitten im Krügerpark hat Wifi. Und weil wir gestern am Pool reichlich Sonne auf die Haut bekommen haben und weil dieses Camp nur eine Stunde von unserem entfernt liegt, haben wir uns auf den Weg gemacht, um das Reisetagebuch fortzuführen, in klimatisiertenRaum, bei 38 Grad undstrahlend blauem Himmel draussen.

Aber der Reihe nach!


Parfuri River Camp, Mittwoch 27. Januar 2016

Wir fahren von Thohoyandou über Nebenstrassen quer durch das frühere Homeland nach Parfuri an das nördlichste Tor des Krügerparks. Leicht hügelige Mittelgebirgslandschaft. Früher mal das kleinste Homeland Südafrikas, d.h. Reines Schwarzengebiet mit einem Stück Selbstverwaltungsrechten. 

Wie schon in Elim auch hier überall Bautätigkeit. Wer was aif sich hält baut Säulen mit in seinen Bungalow ein. 

Überall Baobab Bäume. Wir halten am big tree. Imposant. 45 m Umfang, 27 m hoch, 24 km Wurzeln. Die Rinde unverletzt, in dieser Gegend gibt es keine Elefanten. Ehrwürdig, vertrauenerweckend, Ruhepunkt. 3600 Jahre alt!

Im Parfuri River Camp legen wir einen improvisierten Stopp ein. Und müssen mit den Konsequenzen leben: als wir ankommen, ist das Küchenpersonal gerade gegangen, wir hätten uns zum Dinner anmelden müssen. Gut, dass wir auf der Reise einen Beutel Mangos und eine Wassermelone gekauft haben. Gut, dass das Camp zwar nicht elektrifiziert war, aber alle Kühlschränke angeschlossen waren, und ausreichend kühles Bier zur Verfügung stand. 
3600 Jahre alter Baobab mit etwas jüngerem Besucher
3600 Jahre alter Baobab mit etwas jüngerem Besucher
Abends sitzen wir mit dem weissen Betreiberpaar an der Freiluft-"bar" und trinken ein kühles Bier. Bei schummerigem Licht von Parafinlampen. Die beiden stammen aus Johannesburg und aus Durban, sind jetzt an der Pensionsgrenze und haben sich im nächsten Dorf ein Stück Land gekauft und sich dort niedergelassen. Ihnen ist wichtig, dass die Menschen hier im Einklang mit der Natur leben, keine Tür abgeschlossen wird, ein gutes Verhältnis zum Dorfältesten besteht. Im Dorf leben noch zwei andere weisse Paare. Von den 400 Dorfbewohnern haben 20 eine feste Anstellung, 20 arbeiten als Selbständige, der Rest lebt von Gelegenheitsarbeit und von der Unterstützung durch die Familie. Wir versuchen, diesen Lebensentwurf nachzuempfinden, aber auf Dauer?

Punda Maria Camp, Donnerstag 28. Januar 2016

Wir fahren in den Krügerpark zunächst nach Crooks Corner, wo sich Zimbabwe, Mozambique und Südafrika treffen und wo der nördliche Grenzfluss Limpopo sich mit dem Luvuvhu vereinigt. Subtropischer Wald, gewaltig, naturbelassen. Krokodile im Fluss, die Laute der Nilpferde nebenan. Tolle Gegend, beeindruckend. Hier in der Gegend gab es schon 1600 v.Chr. eine grosse, befestigte schwarze Siedlung, die Handel mit China und Indien betrieb! Thulamela, leider zur Zeit geschlossen.
Von einer Brücke auf dem Weg
Von einer Brücke auf dem Weg
Wasserbock im subtropischen Wald
Wasserbock im subtropischen Wald
Punda Maria ist altmodisch und hat viel zu beengte Zimmer, nervig. Die Leistungen des Restaurants lassen auch zu wünschen übrig. Aber das Camp-Gelände ist gross, wir können herumlaufen.
Punda Maria Camp, Freitag 29. Januar 2016

5.30 Uhr Rundfahrt 25 km um das Camp, kaum Tiere gesehen, Enttäuschung. Ruth befragt einen der Ranger, sein Tipp erweist sich Gold wert. Wir fahren 16.00 Uhr zum Dzundzwini Loop. Elefantenherde mit Jungen, verspielt. Impalas, links die Mädels, rechts die Jungs, dazwischen zwei ausgewachsene Böcke, bekämpfen sich, der Sieger mischt sich erhoenen Hauptes unter die Mädels. 
Leguan is watching us
Leguan is watching us
Wichtige Anmerkung einer Mitreisenden: die guten und die meisten Fotos sind von Ruth, die blöden Fotos sind von Günther. 
Klaffschnabel, einer von vielen, stochern nach Futter wie wild im Morast
Klaffschnabel, einer von vielen, stochern nach Futter wie wild im Morast
Zum Dinner entscheiden wir uns für ein Barbeque direkt an unserem Bungalow. Boerwors, Schweinekoteletts, alles reichlich fett und überaus schmackhaft. Dazu selbstgemachter Gurken-/Tomatensalat und eine Flasche Pinot Grigio, gut gekühlt. Das alles vor der Tür bei 28 Grad um 20.00 Uhr.

Beim Ausflug am Nachmittag waren wir von der Weite der Landschaft und von den Wolkenformationen begeistert.
Punda Maria Camp, Sonnabend, 30. Januar 2016

Wir entscheiden uns für Ruhetag. Nachmittags dann doch noch einmal Ausfahrt zum Dzungzwini Loop, wo wir gestern schon einmal waren. Viele Elefanten, abseits grimmig daherblickende einzelne Elefantenbullen, eine warnend trötende Elefantenkuh mit Jungen, der wir wohl etwas zu nah gekommen sind. Beim lauten Tröten gleich neben dem eigenen Ohr sackt das Blut erst mal in den Bauch. Aber Gefahr droht ja erst, wenn die Elefantenohren angelegt werden und der Rüssel hinter die Stosszähne zurückgenommen wird. Wir beobachten ferner Warzenschweine, Giraffen, Impalas, diverse Vögel, alles im Licht der sich langsam neigenden Sonne, wunderschön!

Erst dachten wir, der Kleine wolle auf dem Rücken seiner Mutter getragen werden. Dann mussten wir uns einen Irrtum eingestehen..
Erst dachten wir, der Kleine wolle auf dem Rücken seiner Mutter getragen werden. Dann mussten wir uns einen Irrtum eingestehen..
Die lamb chops abends im Restaurant bestanden nur aus Fett und Knochen, die Ersatzlieferu g war nicht mariniert und schmeckte penetrant nach "Tier". Nur gut, dass die Restaurants im Krügerpark in drei Monaten von einem privaten Betreiber übernommen werden, der dann die Speisen und die Speisekarten aktuellen Standards anpassen wird. Gabriel am Nachbartisch richtet gerade die dafür erforderliche IT-Infrastruktur ein. Seine Eltern sind 1964 nach Mozambique und dann weiter nach Südafrika emigriert. Sie stammen aus Portugal.

Gabriel erzählt von zwei Wilderern, die hier vor einigen Tagen erschossen wurden. Für einen Koffer mit 100.000 Rand kann schon mal ein Wildhüter schwach werden und verraten, wo sich ein Nashorn gerade aufhält. Die Wilderer kommen aus Mozambique, das nach den Bürgerkriegszeiten erst ganz langsam wieder eine staatliche Ordnung aufbaut.

Shingwedzi Camp, Sonntag 31. Januar 2016

Wir sind 60 km südlich gefahren, die Bäume, die Baobabs, werden seltener, Mopane Sträucher dominieren, soweit das Auge reicht. Je weiter südlich wir kommen, umso trockener wird es. 2013 wurden wir am Parkeingang ausgelacht, als wir Shingwedzi als Reiseziel angaben. Das Camp war gerade einen Tag vorher übrtflutet worden und total verwüstet. Jetzt ist es wieder super hergerichtet. Dieses Jahr führen nur einige kurze Abschnitte des Flusses Wasser, im wesentlichen ist er ausgetrocknet. Und das mitten in der Regenzeit!
Unsere reedgedeckte Doppelhaushälfte in Shingwedzi
Unsere reedgedeckte Doppelhaushälfte in Shingwedzi
Weitläufige Anlage, recht grosser Pool, sehr sauber gehalten, super Mittagessen. Vor dem Restaurant im Restwasser des sonst trockenen Flusses Hippos, am Ufer Elefanten, Paviane. Lehmkrümel auf unseren Kopfkissen fallen uns auf. Kommen wohl vom neu mit Reed eingedeckten Dach runter. Wir verschieben die Betten ein wenig und über Nacht fallen die Krümel im wesentlichen neben die Betten. Als wir an der Rezeption das Problem beschreiben um um Lösungsvorschläge bitten, erfahren wir, dass uns die Nacht über Fledermäuse aufs Haupt gekackt haben. Von wegwn Lehmkrümel. Wir bekommen ein anderes Haus, da sind die Verhältnisse klar: wir drinnen, die Kledermäuse draussen unter dem Dachvorsprung. 

In Punda Maria habe ich mich noch gegen Mücken eingerieben, hier herrscht so viel Trockenheit, dass keine Mücke weit und breit zu sehen ist.
Wunderschöner Fischadler
Wunderschöner Fischadler
Shingwedzi, Montag 1.Februar 2016

Hier im Camp nutzen wir den Grill oft. Rumpsteak, boerwors schmecken super und sind in den Läden immer tiefgefroren verfügbar. 
Der Fluss vor dem Restaurant im Sonnenuntergang
Der Fluss vor dem Restaurant im Sonnenuntergang
Ängstlicher Kronenducker, 50 cm gross
Ängstlicher Kronenducker, 50 cm gross
Vor dem Restaurant können wir das Geschehen am fluss gur beobachten.
Der Wasserbüffel gilt als gefährlichstes Tier Afrikas. Er kann plötzlich, ohne Vorwarnung angreifen.
Der Wasserbüffel gilt als gefährlichstes Tier Afrikas. Er kann plötzlich, ohne Vorwarnung angreifen.
Gut, wenn die Jungs miteinander beschäftigt sind
Gut, wenn die Jungs miteinander beschäftigt sind
Ganz junges Hippo, und schon so eine grosse Klappe!
Ganz junges Hippo, und schon so eine grosse Klappe!
So, dann wollen wir mal einen Ausflug an Land unternehmen.
So, dann wollen wir mal einen Ausflug an Land unternehmen.
Mach nicht so lange rum, rein mit dir ins Wasser, da si d wir sicher.
Mach nicht so lange rum, rein mit dir ins Wasser, da si d wir sicher.
Shingwedzi, Dienstag 2. Februar 2016

Ruhiger Tag. Von 12.00-15.00 Uhr im Pool und im Schatten am Pool. So bei 33 Grad. Wir kehren mit leicht geröteter Haut zurück.
Shingwedzi, Mittwoch 3. Februar 2016

Wir fahren eine Stunde zum Mopani Restcamp, da gibt es wifi. Im klimatisierten Conference Center, das tut gut, bei heute 40 Grad! Ein tolles Camp, hoch über einem aufgestauten Fluss, sieht aus wie eine Seenlandschaft.Weiter blick, wir sind begeistert, kommen ins Schwärmen und erfreuen uns an einer langen Speisekarte und geschmackvollen Gerichten. Hier möchten wir bei einer späteren Reise mal ein paar Tage Station machen. In einem der vier Bungalows mit Blick über die Ebene und das Wasser, z.b. Nr 51.

Die Camps sind zu etwa 20 Prozent belegt. Eine gute Reisezeit.  Uns wird bewusst, wie viele Geräusche wir nicht hören. Statt dessen Rufe der Hippos, Vogelzwitschern, Wind. Wenn der Wind bläst kommt einem das vor, als werde ein Föhn auf den Körper gerichtet. Unsere Körper haben sich auf die Wärme längst eingestellt, wir trinken jeden Tag mindestens drei Liter Wasser plus einige Tassen Kaffee. 
Vor dem Abendessen auf unserer Terrasse
Vor dem Abendessen auf unserer Terrasse
Blick von der Restaurantterrasse des Mopani Camps
Blick von der Restaurantterrasse des Mopani Camps
Mopani Restcamp, Donnerstag 4. Februar 2016

Wir machen auf dem Weg von Shingwedzi nach Olifants noch einmal Station in Mopani, laufen ein wenig herum, geniessen den Ausblick und nutzen wieder wifi. Die nächsten sieben Tage werden wir wieder off line sein und uns ganz auf Afrika und uns konzentrieren.
Olifants Restcamp, Donnerstag 4. Februar 2016

Wir fahren 1,5 h von Mopani zum Olifants Restcamp. 40 Grad, dann kommen dunkle Wolken und die Themperaturen sinken auf 33 Grad. Wir haben uns über feed back zum Reisetagebuch sehr gefreut! Das erhöht die Motivation. 2013 war der Olifants River ein breiter flacher Fluss, dieses Jahr besteht der Fluss aus Rinnsalen zwischen glattgewaschenen Felsen und aus Sandbänken. 
Der Rest vom Olifants River
Der Rest vom Olifants River
Mitten in der Regenzeit nur ein Rinnsal, in der vor uns liegenden Trockenzeit wird dann wohl kaum noch Wasser im Fluss sein!?

Das camp isr belebt, wir. Haben eine Rundhütte mit Küchenzeile und wie wir später merken werden mit regelmässigen Pavian Besuchen. Die können auch hinter Gitter klettern und Kühlschränke aufmachen.

19.30 Uhr ist stockfinstere Nacht. Manchmal weht der moderige Geruch des Flusses nach oben zu uns herauf. Ich gucke gegen eine schwarze Wand, Ruth guckt in ein schwarzes Loch. Kein Mondlicht, keine Lichter in der Ferne. Rundherum völlige Dunkelheit. Tolle Speisekarte, kein Vergleich zu den vorherigen im Krügerpark. Wir lassen es uns gut gehen.

Olifants Camp, Freitag 5. Februar 2016

Wir haben lange geschlafen und uns Zeit beim Aufwachen gelassen. Frühstück im warmen Wind auf der arestaurant Terrasse, leicht bewölkter Himmel, dann ein paar Wolken, ein wenig Regen und gleich danach klart der Himmel wieder auf. Grosse Vögel segeln über dem Tal, majestätisch. Reife Studenten der Vogelwelt richten ihre stehts fotografierbereiten Rohre in alle Richtungen; Retter der Nasshörner tauschen die Koordinaten der letzten Sichtung aus, tragen die Bedeutung ihres Tuns in Mimik, Gestik und t-shiet Aufdruck in die Welt hinaus, überglücklich Gleichgesinnte geteoffen zu haben, nice to meet you, what was your name? Wie unterhaltsam Afrika doch ist. 


Frühstück oberhalb des fast trockenen Olifants River, mit phantastischer Aussicht.
Frühstück oberhalb des fast trockenen Olifants River, mit phantastischer Aussicht.
Olifants Camp, Sonnabend 6. Februar 2016

5.30 Uhr fahren wir raus. Richtung der Camping Stelle Balule. Tiere zu Hauf! Wir staunen, freuen uns, halten an, sitzen da, beobachten. Dann ein ganzer Treck von tieren, voran eine Herde von Wasserbüffeln, danach Zebras, danach Gnus. Auf demWeg zum Wasser.
Wasserbüffel
Wasserbüffel
Bei dieser Ausfahrt halten wir auf einer Brücke, hier ist Aussteigen erlaubt. Strenger Geruch, geradezu unerträglich. Wir blicken nach unten. Im seichten Wasser ein Nilpferd. Verendet. Jetzt begreifen wir: nicht moderiger Schlamm, sonder verendete Nilpferde strömen diesen schwer erträglichen Geruch aus. Wir werden am Ufer und an Land weitere Kadaver sehen. Wenn eines der Nilpferde eine der immer weniger werdenden tieferen Stellen im Fluss verlässt um seine 50 kg Grünzeug zu fressen und seinen Platz bei Rückkehr besetzt vorfindet, dann gibt es Streit, der tödlich enden kann. Auch im Land finden wir einen kleinen aufgestauten Bach, in dem sich Nilpferde drängeln. Das Leid der Tiere ist sichtbar, riechbar und macht uns traurig. Führt uns auch Hilflosigkeit vor Augen. Unsere Einstellung zum Camp verändert sich, unsere Stimmung verändert sich. Der Geruch der Verwesung, auch noch hoch oben im Restaurant intensiv, verändert unsere Wahrnehmung der Gegend. Das Sterben im Park hatten wir bislang aus unserer awahrnehmung ausgeklammert. Da dominierte eher die ästhetische Sicht. Harte Landung in der Realität. 
Kadaver
Kadaver