Baobab Game Ranch, Montag 10.2.2020

 

Wir fahren aus kürzestem Wege aus dem Etosha Park raus und biegen auf die unbefestigte D 2779 Richtung Otavi ab. Die Baobab Game Ranch haben wir nicht im Navi, aber auf Google Maps gefunden, wissen also, wo wir abbiegen müssen. Wir kennen die Richtung, aber haben uns diesmal nicht um die genaue Entfernung gekümmert. Wozu auch, der Tank ist gut halb voll. Die Gegend ist einsam, wegen des Gerölls fahren wir im 4 x 4 Modus, zur Sicherheit. Einsame Farmen, freundliche schwarze Fußgänger, unbeschwerte Vormittagsstimmung. Und der Weg streckt sich. Die Tankanzeige sagt: Reichweite 89 Kilometer. Der Wegweiser sagt nächster Ort Otavi 60 Kilometer. Das Garmin Navigationssystem sagt nächste Tankstelle 145 Kilometer. Der Blutdruck steigt. Auf der guten alten konventionellen Landkarte ist in Otavi eine Tankstelle verzeichnet. Wie genau ist die Ford Tankanzeige? In Otavi suchen wir vergeblich nach der Tankstelle. Eine Schwarze, die wir in ihrem Auto fragen, bittet uns, ihr hinterher zu fahren und geleitet uns zur Tankstelle. Nach dem Tankvorgang stellen wir fest, daß noch 2 Liter Diesel im Tank waren.

 

Zum Trost machen wir wieder im Purple Fig in Grootfontein Kaffee-Station. Was für ein göttlicher Käsekuchen! Auch die Strassen sind in perfektem Zustand. So macht das Reisen Spaß. Wir vergleichen noch einmal die Wegbeschreibung der Reiseagentur aus Windhoek, über die wir Baobab gebucht haben, und die Google Karte. Passt. Nur dort, wo die Ranch sein soll, finden wir sie nicht. Nach einer halben Stunde Hin- und Herfahren hat Ruth plötzlich Mobilfunkverbindung. Anruf in Windhoek, dort Verwunderung und nach einigen weitern Telefonaten die Erklärung: eine Angestellte dort hat eine falsche Wegbeschreibung gegeben und auch einen falschen Google Eintrag veranlaßt. Wenigstens bekommen wir eine genaue Beschreibung, wie wir vom augenblicklichen Standort zur Ranch finden. Eine Stunde später kommen wir reichlich ärgerlich dort an.

 

Neuer Bungalow, mit sehr alten Möbeln, schlecht belüftet, und die große Schiebetür bleibt zu, wegen der Motten, die zu Tausenden mit Einbruch der Dunkelheit durch die Luft schwirren. Der Ventilator schafft es nur sehr langsam, die Luft etwas herunterzukühlen. Abendessen mit Helmuth, dem Eigentümer.

 

Heute hatten wir genug Abendteuer. Unser Bedarf ist gedeckt. Selten so auf einen Erholungsschlaf gefreut! 

Baobab Game Ranch, Dienstag 11.2.2020

 

Helmuth fährt uns morgens und abends durch die 6000 Hektar große Farm. Auf der nur Wildtiere leben. Wir machen Station an einem 2000 bis 3000 Jahre alten Baobab. Immer wieder beeindruckend, diese riesigen Bäume!

 

Die Ranch ist eine Jagdranch. Zur Zeit sind keine Jäger da, bei dem üppigen Grün überall wäre das auch schwierig. Bei der Pirschjagd sieht man wenig, bei der Ansitzjagd kommt kein Wild an die Wasserlöcher, weil im Busch genügend Wasser ist. Und einige Jäger verpönen das Ganze auch als "Gatterjagd", obwohl das Wild sehr viel Platz zum Ausweichen auf den 6000 Hektar hat.  

Auf großen lichten Flächen stehen Palmen immer in Gruppen zusammen. Ansonsten flaches Gras, sieht nach englischer Landschaftsgärtnerei aus, ist in Wirklichkeit aber naturbelassene Fläche. Abends ziehen Wolken auf, in der Ferne ziehen Wolken auf, davor zwei Regenwände, die Sonne neigt sich und kommt immer mal wieder zum Vorschein. Ein beeindruckendes Schauspiel.

 

Helmuth ist mit San aufgewachsen und kann das jahrtausendealte Wissen über das Leben in und von der Natur weitergeben. Wir hören gerne zu und bekommen unsere Fragen beantwortet und können uns eine gute Vorstellung von diesem Leben machen.

Nunda River Lodge, Divundu, Mittwoch 12.2.2020

 

Direkt vor und unter der Holzplattform, auf der unser Hauszelt steht, fließt mächtig, träge, ganz still der Okavango. Sehr breit, Hochwasser führend. An der Sandbank gegenüber melden sich Hippos lautstark zu Wort.

 

Wir sind gerade aus unser Hütte im Divundu guesthouse wieder ausgezogen. War schon über booking im voraus gebucht und bezahlt. Aber erst fand Peter die Reservierung nicht, dann bekamen wir eine enge, muffige, unsaubere Hütte, die sich nicht ausreichend belüften ließ. Häßliches Bad, speckige Polster. Außerdem ist das w-lan "gestern" in den Gästezimmern ausgefallen.

 

Nunda ist luftig, freundlich, architektonisch schön . Sehr schönes Abendbrot auf einer Plattform direkt am Fluß, 18.30 Uhr. Wir hatten uns gut gegen Mücken eingesprüht. War dann ab 19.30 Uhr auch dringend geboten. Schnell ins Zelt, Mückenschutz mit dem Reißverschluß verschlossen, Weinflasche geöffnet und den gewaltigen, wolkenlosen Nachthimmel durch das Netz betrachtet.  

Chobe Safari Lodge, Kasane, Botswana, Donnerstag 13.2.2020

 

Die Straße hierher ist ganz neu asphaltiert, streckenweise sind die Linien noch nicht aufgetragen. Eine angenehme Fahrt. Beim Grenzübertritt teilt mir der Polizist in Namibia mit, daß ich mich strafbar gemacht habe und darauf Gefängnisstrafe stehe: Ich reise einen Tag zu spät aus. Irgendwie bei der Einreise verzählt, aber das Ganze auch nicht Ernst genommen. Ich muß versprechen, so ein Delikt nie wieder zu begehen. Bei der Einreise nach Botswana größtmögliche Muffigkeit, Desinteresse.

 

Abgesehen von dem schlechten Personal an der Grenze machen wir immer wieder gute Erfahrungen mit der Hilfsbereitschaft hier. Tom, ein schwarzer Angestellter in der Baobab Ranch, hat unsere Cooler Box auseinandergenommen und gereinigt, nachdem sich eine Motte reinverirrt hatte und der Geruch von totem Tier in der Box und im Gebläse saß. Als Ruth auf einem Klo einer Lodge in Rundu in einen Kaugummi getreten hatte und das Zeug beim besten Willen nicht abbekam, half ihr eine Bedienung.

 

Alle Kommunikation, alles Handeln erfolgen mit großer Ruhe. Nie ist jemand für irgendwas verantwortlich, aber immer gibt es eine Lösung für das Problem: Als das Tor des Camps in Etoscha nicht zur angeschlagenen Zeit geöffnet wird und ich nachfrage, wann denn nun, da bekomme ich zur Antwort: das Camp hat mehrere Tore, fahrt durch ein anderes raus.  

Wir erinnern uns noch einmal an Nunda. Da wären wir gestern gern noch länger geblieben. Wir haben diesmal einfach zu viel voreserviert. Überall war noch Platz, wir hätten das alles spontan machen können und wo es besonders schön ist, länger bleiben können. Eine Lehre für die nächste Reise.

 

In Chobe werden wir freundlich begrüßt und bekommen ein schönes Zimmer versprochen. Dort bringt uns ein Hotelangestellter hin und wir kommen zu einer Baustelle. Die Zimmer im Erdgeschoß werden  gerade renoviert, auf dem Rasen werkeln Handwerker, in den Zimmern wird gehämmert, die Pflasterung der Wege ist teilweise aufgenommen, die Grünanlagen teilweise umgegraben. Dazu Bauzaun und Bauschutt. Wir gehen in den ersten Stock, schönes Zimmer mit Flussblick, aber die Handwerker sind überall zu hören. Ruth eilt in rechter Stimmung zur Rezeption, ich telefoniere rum um jemanden zu finden, der das Wasser im Bad anstellen kann. Wasser ist im Hotel ausgefallen, Alternativzimmer haben die nicht, wir fordern ersatzweise ein Zimmer gegenüber in der Chobe Bush Lodge. Also wieder Auszug und Einzug gegenüber. Wir bitten um einen Termin mit dem Hotelmanagement für morgen.  

Chobe Safari Lodge, Freitag 14.2.2020, Valentinstag

 

Valentinstag ist im südlichen Afrika eine große Sache! Nein, nicht um den Umsatz der Floristen anzukurbeln. Die gibt es hier sowieso nicht. Nein, sondern um dem Partner eine kleine (kitschige) Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und um abends schick auszugehen. Kein Thema für uns. Mir steht der Sinn nach gepflegtem englischem Managementclinch. 

 

Ich frage an der Rezeption, wann ich denn nun den Termin mit dem Hotelmanagement habe, den die Rezeptionistin mir gestern angeboten hatte, als ihr die Antworten auf meine Fragen ausgingen. Keiner weiß Bescheid. Worum es denn ginge. Um Vertragsverstoß. Das Hotel erfülle seine vertraglichen Pflichten nicht. Schweigen. Oh. Da müsse das Management her. Dann kommt Patty, Südafrikanerin, General Manager. What can I do for you? Vertrag erfüllen. River view luxury room ohne Baustelle rausrücken. Bitte um Analyse in den Akten des Hotels. Nach einer Stunde abermalige Entschuldigung und die Erkenntnis: wir meinen es Ernst. Natürlich gebe es Zimmer, der Empfang sei gestern überfordert gewesen, sehr bedauerlich. Und eine weitere Stunde später werden wir in ein super river view Zimmer geführt. Akzeptiert. Umzug durch das Hotelpersonal. Großes Bedauern und zum Trost: eine Flasche Desiderius Pongracz Champagner für uns auf's Ausflugsschiff heute Nachmittag zusammen mit Fingerfood. Ferner Einladung zum Valentine Dinner auf Kosten des Hotels und Amarula Fudge und Amarula Likör auf's Zimmer. Da verfliegt der Groll wegen des Scheiß Empfangs, Patty hat die Botschaft verstanden und wir fühlen uns in unserer Bitte nach fairer Behandlung ernst genommen. 

Die Bootsfahrt, wir sind nur vier Leute an Bord, ist wieder eine großartige Erfahrung. Drei Stunden lang über den breiten Chobe mit seinen Seitenarmen und Inseln und dem unendlich weiten Himmel darüber. Hippos sind schon jetzt am Nachmittag kurz nach drei aus dem Wasser gekommen und grasen auf den Inseln im hohen Gras. Sie können jederzeit im nahen Wasser wieder abtauchen. Das ist wichtig, denn ihre Haut reagiert sehr empfindlich auf Sonnenschein. Eine große Herde Wasserbüffel liegt träge im Gras, einer im flachen Uferwasser. Sehen so ganz aus der Nähe schon beeindruckend aus. Einzelne Elefantenbullen reißen direkt vor uns geräuschvoll lange Grasbüschel aus dem weichen Boden, schlagen geschickt Erdreste ab und kauen das Gras dann genüßlich. Wir können uns Krokodilen am Ufer bis auf wenige Meter nähern und sie beobachten. Hier werden sie bis zu 6 Metern lang und zeigen ihre messerscharfen Zähne. Dann werden uns wieder die Ruhe und die Weite bewußt, einfach nur gucken und hören. 

Das Valentine Dinner Buffet ist tatsächlich von besonderer Qualität, ein schöner Abschluß eines bewegten Tages. Morgen wollen wir früh raus und mit dem eigenen Auto durch den Chobe Nationalpark fahren. Andere Hotelgäste schwärmen von Giraffenherden, Löwen, Leoparden. Mal sehen, was uns über den Weg läuft... 

Fortsetzung im Teil 4!

Teil 3 wurde noch durch Fotos ergänzt